Autor:
Lesedauer ca. 3 min.

Monosphere – Sentience

Künstler:

Monosphere

Herkunft:

Mainz, Deutschland

Bandmitglieder:

Kevin Ernst (Gesang)
Max Rossol (Gitarre)
Valentin Noack (Gitarre)
Marlon Palm (Bassgitarre)
Rodney Fuchs (Schlagzeug)

Link:

Album:

Sentience

Genre:

Progressive Metal, Post Metal, Metalcore, Deathcore, Mathcore

Erscheinungsdatum:

20.10.2023

Tracklist:

1. Preface
2. Borderline Syndrome
3. Smoke & Wires
4. Friends & Foes feat. Mirza Radonjica [Siamese]
5. Bleak
6. Ava
7. Human Disguise
8. Living Flame
9. Intermission
10. Method Acting
11. Turing Test feat. Jim Grey [Caligula’s Horse]
12. Sentience

Nach der Bandgründung im Jahr 2014 hatten sich Monosphere sieben Jahre Zeit gelassen, bevor sie im November 2021 ihr Debütalbum The Puppeteer veröffentlicht haben. Dass das eine gute Entscheidung war, kann man nicht zuletzt auch an den durchweg sehr positiven Kritiken sehen. Auch in meinem Review konnte ich nicht umhin, fast die Höchstnote zu vergeben. Im Juli 2022 hatte ich dann das große Vergnügen, die Jungs in Die Trompete in Bochum live zu erleben, als sie sich dort die Bühne mit Rolo Tomassi teilten. Und noch nicht einmal zwei Jahre später meldet sich das Quintett schon mit dem Nachfolger. Sentience heißt das Album und wird am 20.10. veröffentlicht.

Aufnahme, Produktion und Mix lag wieder in den Händen von Phil Kaase (The Mixing Mine), während Jens Bogren (Fascination Street) wieder das Mastering übernommen hat. Die beiden durften nicht nur für den richtigen Klang von Gesang und Instrumenten von Monosphere kümmern, sondern auch um den der Instrumente der Gastmusiker. So steuerte Daniel Paterok bei insgesamt acht Tracks das Piano bei, von Matthew Dakoutro hört man Violine, Bratsche und Cello bei sieben Songs. Flügelhorn und Trompete bei zwei Songs hat Gergö Bille eingespielt. Außerdem wartet der Song Friends & Foes mit großartigem Gastgesang von Mirza Radonjica (Siamese) und Turing Test mit Spoken Words von Jim Grey (Caligula’s Horse) auf.

Was der Turing Test ist, musste ich zugegebenermaßen erstmal googeln. Der fand tatsächlich bereits im Jahr 1950 statt und sollte, kurz gesagt, die Frage beantworten, ob eine Maschine eine menschenähnliche Intelligenz und ein Bewusstsein haben kann. Und um diese Frage herum haben Monosphere die Geschichte aufgebaut, die auf Sentience erzählt wird. Sie handelt von dem faszinierenden Geist eines namenlosen Protagonisten, einer Maschine, die aus ihrer täglichen Schleife ausbricht. Und so, wie schon im Turing Test aus dem Jahr 1950 stellen auch Monosphere inmitten der Flut an KI-Prominenz die Frage: Kann man die Feinheiten erkennen, die den kreativen Output menschlicher Kunstfertigkeit vom Einfluss technologischer Fähigkeiten unterscheiden?

Dass eine Band ihr neues Album in den höchsten Tönen lobt, ist ja normal. Davon nehmen sich auch Monosphere nicht aus. “Unser neues Album “Sentience” wird die stärkste Version von Monosphere zeigen. Wir haben unser Bestes gegeben, um uns noch mehr zu pushen als zuvor und das stärkste Material zu präsentieren, das wir je geschaffen haben. Wir können es einfach nicht erwarten, dieses Album zu veröffentlichen!”. Und, soviel kann ich jetzt schon sagen, die Jungs haben definitiv nicht übertrieben.

Davon ist beim ersten Song, Preface, noch nicht so wirklich viel zu hören. Sehr ruhig, mit Klavier, Streichern und schönem Klargesang von Kevin kommt der erstmal daher. Da denke ich fast, dass Monosphere sich in den Post Rock verirrt haben. Und genau, wie es dort fast schon Usus ist, baut sich auch Preface langsam aber sicher auf, und bereitet die Bühne für das, was da kommt. Und das ist mit der Genrebezeichnung „Progressive Metal“ nicht ansatzweise beschrieben. In der Pressemitteilung zur Albumankündigung steht „FFO: BTBAM, Cult Of Luna, The Ocean, Rolo Tomassi“, und ich könnte diese Aufzählung an prominenten Namen noch um einige weitere ergänzen. Wer mir auf jeden Fall einfällt, sind die Prog-Spezialisten The Hirsch Effekt (die ja gerade ihr neues Album veröffentlicht haben). Genau wie die Hannoveraner lassen auch Monosphere immer wieder Einflüsse aus den verschiedensten Genres in ihre Songs einfließen. Da darf es dann auch gern mal ein wenig Jazz sein (Borderline Syndrome), bevor mit einem der vielen Breaks wieder die Metalcore-Kelle ausgepackt wird. Und auch Fans von gediegenen Breakdowns werden einige Male Herzrasen bekommen (u. a. Smoke & Wires, Ava, Human Disguise). Bei Smoke & Wires so eine Art Klaviersolo als Outro zu bringen, hat genauso was, wie die ruhige Bridge mit akustischer Gitarre im Deathcore-getränkten Living Flame. Ich als Schlagzeugfan habe auf meinem Zettel auch des Öfteren mal „Blastbeats“ stehen (u. a. Friends & Foes, Human Disguise), und die Doublebase bei Method Acting kann man fast schon als „extreme“ bezeichnen.  Das Gleiche gilt natürlich auch mal wieder für die Saitenfraktion, die mit wahnwitzigsten Licks und Riffs glänzt und ihren Teil zu den polyrhythmischen Ausprägungen beiträgt.

Bei all dem „Extreme Progressive Metal“ komme ich mir schon ziemlich bald wie auf einer Achterbahnfahrt vor. Aber Monosphere wollen nicht einlullen, sie wollen herausfordern, und zwar nicht nur den Hörer, sondern auch sich selbst. Und so geht es weiter mit Progressive Metal auf höchstem technischem Niveau, der das Beste aus Metalcore, Deathcore, Mathcore und tatsächlich auch Black Metal in sich vereint. Eine ganz kurze Verschnaufpause gibt’s mit Song Nummer 9, dem relativ ruhigen Instrumental Intermission. Und auch die ersten Sekunden vom folgenden Method Acting könnten mich denken lassen, dass es noch ein wenig weitergeht mit der Ruhe. Aber nach einer knappen Minute kündigen die sehr geilen Growls von Kevin schon an, dass es damit sehr schnell vorbei sein wird. Dass Kevin aber nicht nur sehr geile Growls sondern auch Screams und Shouts kann, beweist er zum vorletzten Mal bei Turing Test. Der Kontrast zu den sehr ausdrucksstarken Spoken Words von Jim Grey (Caligula’s Horse) ist krass. Und dann wird’s wieder ruhig, mit dem Titeltrack Sentience schlagen Monosphere den Bogen zum ersten Song und schließen den Kreis dieses alles in allem musikalisch runden Albums.

Unser Fazit

Manchmal wünsche ich mir, ich würde die richtigen Worte finden, um solche Alben, wie Monosphere es hier liefern, ansatzweise nachvollziehbar zu beschreiben. Aber abgesehen davon, dass dafür auch drölfzig Hördurchläufe nicht reichen, würde das Review dann auch ellenlang werden. Ich bewundere aber definitiv die Kreativität, überhaupt solche progressiven Monster zu schreiben. Es gibt ja immer noch Menschen, die denken, man müsse zu den großen Progressive-Acts gehen, um technisch anspruchsvolle Songs zu hören. Genau die sollten sich dieses Album mal zu Gemüte führen und sich dann Monosphere auch mal live geben. Die Empfehlung kann ich natürlich auch allen geben, die auf die von mir erwähnten The Hirsch Effekt, oder eben auch The Ocean und Rolo Tomassi stehen.

Unsere Wertung

10.0 von 10.0

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