Autor:
Lesedauer ca. 3 min.

Steam Slicer – devenir

Künstler:

Steam Slicer

Herkunft:

Heidelberg, Deutschland

Bandmitglieder:

Joel de Blois (alle Instrumente und Gesang)

Link:

Album:

devenir

Genre:

Progressive Rock, Alternative Rock

Erscheinungsdatum:

03.11.2023

Tracklist:

Part 1: retro
1. inept
2. blaze
3. acratic

Transition I
4. raise

Part 2: existence
5. glorious (instrumental)
6. exuberant
7. crash

Transition II
8. aware (instrumental)

Part 3: becoming
9. livable
10. realize
11. conceive

Outro
12. shanti (instrumental)

Anfang 2022 hatte Joel die Idee, das „Projekt“ Steam Slicer ins Leben zu rufen, um seine musikalischen Visionen in eine Form zu gießen. Und da er von Anfang an schon so viele Songideen im Kopf hatte, konnte er bereits im März dieses Jahres seine Debüt-EP Echoes Of Infinity veröffentlichen. Die kam mit ihren fünf Songs auf eine Spielzeit von ungefähr einer halben Stunde und war so eine Art Appetizer auf das Full Length-Album. Nachdem ich zu den drei vorab veröffentlichten Singles inept, exuberant und conceive schon was schreiben durfte, ist es nun endlich soweit, dass Steam Slicer mit dem kompletten Album devenir den Lebensweg von Beginn bis Ende erzählt. Mit ungefähr 52 Minuten Spielzeit wartet das Album auf. Und wenn ich mir überlege, dass Joel hier wirklich fast alles allein gemacht hat, beginnend mit dem Songwriting über Produktion und Mix, dann wundert es mich nicht, dass es knapp zwei Jahre gedauert hat, bis er sagen konnte „fertig“ und die Dateien zum Mastering an Jan Grimm übergeben hat.

Ich hatte eigentlich gedacht, dass Joel relativ ruhig in seine Geschichte einleitet, und das sind die ersten 40 Sekunden auch. Aber die erste Single inept ist auch der erste Song auf devenir. Darin geht es um den Start ins Leben, also die Geburt, und hier erzählt Joel sowohl aus der Sicht des Neugeborenen als auch aus Sicht der Eltern. Für beide Seiten ist das natürlich ein einschneidendes Erlebnis, und zur musikalischen Umsetzung dürfen es dann gern auch mal ein paar gediegene Riffs sein. Gleich beim Übergang zu blaze merke ich, dass es tatsächlich keine Pausen zwischen den Songs gibt und devenir wirklich wie ein einziger knapp 52minütiger Track daherkommt. Sehr cool gemacht! 👍 blaze dürfte wohl einer der „härtesten“ Songs auf devenir sein, da hört man auch so ein ganz klein wenig, dass Joel ursprünglich aus dem Death Metal und dem Metalcore kommt. Aber er findet immer wieder auf den Progressive-Pfad zurück und kann sich, wie in acratic, auch mal in längeren Gitarrenparts ergehen. Apropos Gitarren, selbst ich als Schlagzeugfan bedaure es nicht, dass die Drums ziemlich in den Hintergrund gemischt sind. Auf die achte ich irgendwann kaum noch, denn was Joel da an den Saiten veranstaltet, ist echt bemerkenswert.

Hatte ich eben noch geschrieben, dass blaze einer der härtesten Songs ist? Da kann ich gleich noch exuberant hinzufügen. Das war die zweite Single, die Joel vorab veröffentlicht hatte, und nicht nur die Riffs werden härter, auch gesangstechnisch kommt Joel mal aus seiner „Komfortzone“ raus. Ich bin eigentlich von jetzt auf gleich mit seinem Gesangsstil warm geworden, und genau der ist auch so etwas, wie sein Alleinstellungsmerkmal. Spontan fällt mir jedenfalls niemand ein, der diesen Gesangsstil pflegt (außer vielleicht ansatzweise Maynard James Keenan bei Tool 😃). exuberant ist einer meiner Lieblingssongs von devenir, und der zweite folgt crash direkt danach. Der mehrstimmige Gesang zu Beginn, der direkt in ein großartiges Gitarrenspiel mit wunderbarer Leadgitarre übergeht…mir fehlen die Worte.

Joel fehlen die Worte nicht, und dass wir mit aware nicht nur auf dem Album, sondern auch im Leben schon recht weit fortgeschritten sind, drückt dieser eine Satz aus dem, was die künstliche Stimme hier erzählt, ganz wunderbar aus: „…moments dissolve into memories, leaving traces of experiences…“. Fast ein wenig dystopisch klingt es dann zunächst in liveable, und auch das Uptempo, in das der Song im letzten Drittel verfällt, vermittelt so etwas, wie eine bedrohliche Anspannung. Die dritte vorab veröffentlichte Single conceive ist dann auch schon der vorletzte Track auf devenir. Die Zeit des Rückblicks ist vorbei, das Lebensende kommt in Sicht. Und so, wie man immer vom Kreislauf des Lebens spricht, schließt Joel mit dem letzten Song, dem sehr ruhigen Instrumental shanti, den musikalischen Kreislauf auf devenir, indem er das so markante Riff von inept noch einmal aufnimmt. Das Klavierspiel passt natürlich sehr schön in diesen ruhigen Song, und was ein großartiges Twin Guitar-Spiel!

Unser Fazit

Bei mir sind Konzeptalben im Grunde nach wie vor Perlen vor die Säue. Bei „devenir“ hilft es mir aber tatsächlich, die Geschichte zu kennen, die Joel hier erzählt. Da ergeben auch die manchmal etwas langatmig oder auch repetitiv daherkommenden Parts, wie zum Beispiel in „raise“, einen Sinn. Ich denke mal, für einen Künstler ist es schwierig zu erklären, woher er seine Kreativität nimmt (ich habe schon einige gefragt, und die konnten es nicht 😄). Aber vor Joels Leistung ziehe ich wieder mal ganz tief meinen imaginären Hut. Auf ein bestimmtes Thema zu kommen und dann zu überlegen, wie man das darstellen kann, ist eine Sache. Dann das Ganze niederzuschreiben, jedes Instrument einzuspielen und die Tracks selbst zu mixen… Was ein Einsatz an Herzblut, Können, Zeit und natürlich auch Geld. Chapeau! 🙌

Unsere Wertung

8.5 von 10.0

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