Autor:
Lesedauer ca. 3 min.

Misty Route – Without A Trace

Künstler:

Misty Route

Herkunft:

Athen, Griechenland

Bandmitglieder:

Lefteris Saatsakis (Gitarre und Gesang)
George Armando Konomi (Bassgitarre)
Kostas Bacopoulos (Schlagzeug)

Link:

Album:

Without A Trace

Genre:

Alternative Rock, Alternative Metal

Erscheinungsdatum:

26.12.2021

Tracklist:

1. Intro
2. Faceless
3. Sweet Revenge
4. To The Last Breath
5. The Stage
6. Ride Alone
7. For You
8. Lost In A Fairytale
9. Till Dawn
10. Compass
11. Odyssey

Über die griechische Band Misty Route hatten wir bereits im November geschrieben, als das Trio ein Video zum Song Sweet Revenge veröffentlicht hat. Das ist einer der elf Tracks, die sich auf dem Album Without A Trace finden. Nach den drei Demos, die die Band seit ihrer Gründung im Jahr 2019 veröffentlicht hat, können sie nun also ihr Debüt-Full-Length-Album präsentieren. Ein Veröffentlichungsdatum 26.12. hatte ich bislang noch nicht, aber in Griechenland wird Weihnachten ja ein wenig anders gefeiert, als bei uns. Wer also hier in Deutschland noch dringend ein Weihnachtsgeschenk braucht, könnte dann auf die Bandcamp-Seite von Misty Route gehen und die digitale Version des Albums kaufen. Alle anderen können einfach die Ruhe am Sonntag nutzen und sich die 11 Songs auf die Lauscher geben.

Passend zum nebulös daherkommenden Cover startet das Album mit dem instrumentalen Intro, das mit seinen wabernden Synthesizerklängen den Soundtrack liefert. Neben Gitarre und Gesang hat sich Lefteris auf Without A Trace auch noch in einigen Songs um das Tasteninstrument gekümmert. Das folgende Faceless erinnert mich in seinen eher ruhig gehaltenen Passagen ein wenig an Riverside, und ähnlich wie Mariusz Duda kann auch Lefteris mit einer den Hörer umschmeichelnden Stimme aufwarten. Aber so eine gewisse Spannung bauen die Männer allein schon durch das ziemlich fies klingende pic scratching auf, da geht beim Betrachten des Covers dann gleich das Kopfkino an. Dass Lefteris auch anders kann, beweist er gleich im folgenden Sweet Revenge. Der Song punktet bei mir mit seinem Wechsel zwischen den ein wenig vor sich hin mäandernden Strophen und dem aufbrausenden Chorus. Ich hatte es beim Hören gedacht und war auch froh, dass ich mit dieser Meinung nicht allein bin, aber hier darf man dann durchaus mal an Metallica denken.

Mit einem ordentlichen Schuss Blues Rock geht’s in To The Last Breath weiter, wobei Misty Route hier wirklich so ziemlich alle Einflüsse reingepackt haben, auf die sie sich beziehen. Da gibt’s dann auch mal einen sehr lässig daherkommenden jazzigen Part, bevor die Männer das Gaspedal durchtreten und das Alternative Metal-Gefährt über die Piste jagen. Da könnte man den satten Klang der Bassgitarre durchaus mit dem Grollen eines Achtzylinders vergleichen. Lässig rollen sie dann mit Blues Rock-Klängen auf dem Parkplatz aus. The Stage erinnert mich musikalisch ein wenig an Alter Bridge, der Text könnte fast autobiografische Züge haben. Hier fragen (sich) Misty Route nämlich, wie es ist, endlich selbst auf die Bühne zu steigen, nachdem man seine Idole schon so lange da oben performen gesehen hat. Berührt man das Publikum mit seinen Texten, oder sind die Worte bald vergessen? Wird die Show zum Erfolg oder zum Anfang vom Ende? Um das alles beantworten zu können, muss sich der Vorhang heben und man selbst muss rauf auf die Bühne.

Auch wenn die Songs von Misty Route alle irgendwie um die fünf Minuten rum sind, ist das Hörvergnügen nach wie vor ungebrochen. Da klingt nichts nach unnötig in die Länge gezogen oder zum zigsten Mal gespielt. Großartige Überraschungen gab’s bislang nicht, aber das sind solide Rock-Songs, die mit verschiedenen Einflüssen spielen und durchaus mal den Fuß ins Wippen oder den Kopf ins Nicken bringen. Also weiter in der Trackliste. Mit Ride Alone kommt ein zunächst sehr ruhiger Track mit einem schönen Gitarrensolo. Hier passt das Tempo des Songs zum Thema. Da stelle ich mir eine entspannte Autofahrt über endlose Highways unterm Sternenhimmel vor – die Männer haben es im Video etwas anders umgesetzt. Dass Misty Route dann aber doch noch so aufdrehen und ein ziemlich abgedrehtes Solo hinterherschieben, hatte ich nun doch nicht erwartet! 😀

Bei den Lyrics von For You hatte ich eigentlich mit einer Ballade gerechnet, denn da geht es wohl um den Verlust des Partners. Aber Misty Route rocken hier mit sehr coolen Riffs im Midtempo vor sich hin. Sehr schön die Bridge, in der Lefteris nur von Kostas am Schlagzeug begleitet wird, der hier überwiegend die tief tönenden Floor Toms bearbeitet. Und da ich ja gerade von “Ballade” schreibe, die kommt jetzt mit Lost In A Fairytale. Da geht’s aber nicht um Märchen, sondern genau um das Gegenteil, nämlich um jemanden, der zu seinen Fehlern und seinen Werten steht und daher allein unterwegs sein muss. Hier kriegen Misty Route im Chorus dann auch den Albumtitel unter, dieser Einzelgänger verschwindet also wohl spurlos. Aber das Album ist noch nicht zu Ende, das folgende Till Dawn kommt wieder sehr rockig daher. Und wie schon bei einigen der anderen Songs reservieren Misty Route auch hier immer längere Abschnitte, bevor es den nächsten Wechsel zwischen Mid- und Downtempo gibt. Das sorgt auf jeden Fall für ein entspanntes Hörvergnügen.

So langsam neigt sich das Album seinem Ende zu, mit Compass gibt’s schon den vorletzten Song. Und hatte ich nach der Hälfte noch geschrieben, dass es auf Without A Trace keine großartigen Überraschungen gibt, kriegen Misty Route mich doch noch. Compass ist nämlich ein Uptempo-Track, bei dem Misty Route noch einmal die Metallica-Keule auspacken. Hat da wirklich Lefteris und nicht James am Mikro gestanden? Sehr geil! Der Abschlusstrack Odyssey ist dann der ambitionierteste des Albums. Der nimmt langsam immer mehr Fahrt auf und kommt, vor allem in den letzten zwei instrumental gehaltenen Minuten, sehr progressiv daher. Der Protagonist des Albums sieht am Ende seiner ganz persönlichen Odyssey wohl keine andere Möglichkeit, als seinem Leben ein Ende zu setzen.

Da wir das Video zum Song Sweet Revenge ja schon vorgestellt hatten, gibt’s hier das zu Ride Alone.


Unser Fazit

Für ein Debütalbum kommt Without A Trace sehr erwachsen daher. Und auch, wenn die drei auf dem Bandfoto noch sehr jung aussehen, scheinen sie die Musik wohl schon mit der Muttermilch aufgesogen zu haben. Solche Songs schreibt man nicht einfach mal so. Da sollte man sich für das Album auch die entsprechende Zeit nehmen und es sich zumindest ein Mal ganz in Ruhe anhören. Mich wird es wohl in Zukunft auf einigen Autofahrten begleiten, da würde dann Ride Alone sehr gut passen. :-D Meine Favoriten sind allerdings Sweet Revenge und Compass.

Unsere Wertung

8.5 von 10.0

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