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Lesedauer ca. 2 min.

MetzgerButcher – Kultur (EP)

Künstler:

MetzgerButcher

Herkunft:

Bonn, Deutschland

Bandmitglieder:

Hans W. Metzger (Gitarre und Gesang)
Larry Butcher (Bassgitarre und Gesang)

Link:

Album:

Kultur (EP)

Genre:

Electro-Indierock

Erscheinungsdatum:

03.12.2021

Tracklist:

1. Fangt An
2. Sprachnachricht
3. Kultur
4. Irgendwie Tot
5. Was Glaubst Du?

Es gibt anscheinend doch einige Bands, die in Zeiten von Corona gegründet wurden. Auch MetzgerButcher aus Bonn gehört dazu. Ob es diese Band überhaupt geben würde, wenn das Punkrock-Trio Wantu & The srie 4’s im Jahr 2020 weitergemacht hätte, kann ich nicht beurteilen. Aber nach dem Ende von eben dieser Band wollten Hans und Larry weiter zusammen Musik machen. Mit Gitarre, Bass und ihren Stimmen ausgestattet, ließen sie die Position am Schlagzeug unbesetzt und lassen sowohl die Drums als auch Keyboard/Synthesizer bzw. Samples vom Laptop kommen. Relativ schnell war die erste Single produziert, die sinnigerweise Lockdown heißt. Auch die erste EP 2020 präsentiert… erschien noch im Gründungsjahr. Die Songs dieser EP haben mir die Jungs netterweise auch zur Verfügung gestellt, und dazu gibt es gleich noch ein paar Worte, hier soll es aber vorrangig um die zweite EP Kultur gehen, die Ende vergangenen Jahres erschien.

Zur Musik von MetzgerButcher hatte ich ja bereits etwas in meinem Konzertbericht zu den Osterather Pestspielen und auch in unseren News zum Video für den Song Was Glaubst Du? geschrieben. Wenn es die beiden Männer als Electro-Indierock bezeichnen, kann man das übernehmen. Wer aber, wie ich, die aus Großbritannien herübergeschwappte New Wave-Welle und die Neue Deutsche Welle der frühen 80er live erlebt hat, macht direkt eine Zeitreise zurück in die Vergangenheit. Und so finde ich mich dann auch vor meinem Plattenregal wieder, in dem noch die Schallplatten von Bands wie Ultravox, Anne Clark, Ideal, Hans-A-Plast, DAF oder Joachim Witt stehen. 😀

Worauf ich allerdings zugegebenermaßen noch gar nicht so geachtet hatte, war das, was hinter so Songtiteln wie Scheißegal oder Raus Hier (beide von der ersten EP), oder auch hinter den fünf Songtiteln dieser EP steckt. Bei Scheißegal könnte man ja auch an so eine punkig-rotzige “No-Future-Attitüde” denken. Aber es ist eigentlich genau das Gegenteil gemeint. Denn tatsächlich scheißegal ist die Herkunft, die Hautfarbe, die Religion, der Musikgeschmack, die Lieblingsfußballmannschaft… – aber bitte sei kein Arschloch! Auch Raus Hier ist kein Rausschmiss, sondern einfach ein “ich bin dann mal weg”. Die Texte sind in ihrer Einfachheit schon wieder genial.

Und so geht es auch auf Kultur weiter. Vor allem mit Fangt An, das in der ersten Hälfte für MetzgerButcher-Verhältnisse ziemlich reduziert daherkommt, kriegen mich die Männer. Da fallen mir die unzähligen Konzertbesuche ein, bei denen ich vor der Bühne stehe und darauf warte, dass die Show losgeht. Um genau dieses Gefühl, wenn die Vorfreude steigt, bis die Künstler auf die Bühne kommen, geht es hier. Auch der sehr relaxte Titelsong Kultur, bei dem MetzgerButcher außer Gitarre und Bass nur Schlagzeug/Percussion einsetzen, ist in der einfachen Aufzählung von Dingen und Werken, die alle unter den Oberbegriff “Kultur” fallen, gleichzeitig schlicht und doch eloquent. An Aktualität kaum zu überbieten ist sicherlich Was Glaubst Du?, zu dem MetzgerButcher ja gerade ein Video veröffentlicht haben. Dass der/die langjährige Bekannte in dieser besch… Pandemie immer mehr in Gedankenwelten unterwegs ist, die man selbst überhaupt nicht nachvollziehen kann, erleben ja immer mehr Menschen.

Unser Fazit

Es ist schon ein sehr spezielles Genre, in dem MetzgerButcher unterwegs sind. Wer kein Fan von Samples oder elektronischen Drums ist, wird mit den Songs wohl auch eher nicht warm werden. Wer aber entweder nach wie vor Fan der teilweise so simpel gestrickten aber doch so wunderbar eingängigen New Wave-/NDW-Songs ist oder sowieso musikalisch etwas breiter aufgestellt, sollte MetzgerButcher mal ein Ohr leihen. Wie man sich bei meinem recht langen Absatz zu den Texten schon denken kann, bin ich davon nicht minder angetan. Ich weiß nicht warum, aber ich muss immer an “Da Da Da” von Trio denken. :-D Bemerkenswert finde ich übrigens auch, dass die Songs von MetzgerButcher nicht mal ansatzweise an der Drei-Minuten-Marke kratzen. Der einzige Ausreißer “Mort Subite” von der ersten EP kommt auch gerade mal auf 3:04.

Unsere Wertung

8.0 von 10.0

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