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Lesedauer ca. 7 min.

Shell Core am 15.07.2022 im Blue Shell, Köln

Eventname:

Shell Core

Künstler:

Friend Or Enemy, We Awake, Aeries

Ort:

Blue Shell, Köln

Datum:

15.07.2022

Genre:

Metalcore, Progressive Metalcore

Veranstalter:

We Awake

Heute stehen gleich zwei Premieren für mich an, denn obwohl ich schon bei vielen Konzerten in Köln war, bin ich doch zum ersten Mal im Blue Shell. Außerdem sehe ich heute zum ersten Mal Aeries live. Mit denen hatten wir ja im September vergangenen Jahres ein Interview geführt, und ich folge ihnen natürlich auch auf ihren Social Media-Kanälen. Aber heute klappt’s nun endlich mal mit einem persönlichen Kennenlernen, und man merkt nicht nur Laura und ihren beiden Bandkollegen an, wie sehr sie sich heute auf die Show freuen.

Los geht’s heute aber mit Friend Or Enemy. Die hatte ich mit ihrer sehr energiegeladenen Show zum letzten Mal bei unserem Voll-Core-N-Event im vergangenen November gesehen, das im nahe gelegenen MTC stattgefunden hatte. Bei der Show hatten sie noch mit “Aushilfsdrummer” Jerome gespielt, aber heute müssen sie ganz auf einen Drummer verzichten, denn, wie Luke erzählt, waren tatsächlich sowohl der FOE-Drummer als auch der Aushilfs- und der “AushilfsAushilfs”-Drummer verhindert. Und noch eine Änderung gibt es heute, denn Luke hat die Bassgitarre zur Seite gelegt und kann sich heute neben Kamil auf den Gesang konzentrieren. Und viel lieber als Ansagen machen Friend Or Enemy ja doch Musik. Wie die Jungs die auf einen Bierdeckel geschriebenen Songnamen der Setliste entziffern, weiß ich nicht. Aber so lange, wie sie schon am Start sind, schauen sie wahrscheinlich eher aus Gewohnheit drauf. 😀 Mit My Heart aus 2020 legen sie heute los, und auch The Aftermath, Like Knives, Leave It Behind oder It Takes One To Know One vom 2018er Album Stories Of Death And Decay gibt’s heute auf die Ohren. Als so eine Art “Special Edition” gibt’s Monster heute mal zweisprachig. Den Song hatten Friend Or Enemy ja sowohl in Englisch als auch in Deutsch veröffentlicht. Dem Thema Mobbing widmet sich der Song Burn Them Out, und damit verbinden Friend Or Enemy die eindringliche Bitte, nicht wegzuschauen, wenn man bemerkt, dass jemand gemobbt wird. Aber bevor wir hier alle zu trübsinnig werden, hauen die Jungs mit Black Widow ihren letzten Track für heute Abend raus.

Dass ich heute überhaupt hier bin, habe ich Marwin von We Awake zu verdanken. Der hatte mich nämlich eingeladen, und ich freue mich, die drei nach ihrer letzten Show beim Youth Brigade Ende Juni in Dortmund wiederzusehen. Eigentlich hätten sie auch bei Bochum Total gespielt, denn das Voting hatten sie gewonnen. Aber wie so viele andere Bands mussten sie da leider wegen eines Coronafalls kurzfristig absagen und den Zweitplatzierten aus dem Voting All Miles Gone den Vortritt lassen. Aber heute sind alle drei wieder topfit, was sie gleich mit dem ersten Track auf der Setliste, Holy Trinity von der 2018er EP Human, beweisen. Die EP wird auch noch mit dem Song Captured In Mind bedacht. Und neben Shattered World aus 2020 haben We Awake auch neuere Tracks mitgebracht. Marnie hält es mal wieder nicht auf der Bühne, und sie stürzt sich mit ihrer Gitarre in das Gewimmel vor der Bühne. Die Meute lässt sich von Marwin auch gern zum Circle Pit einladen, der, wie sollte es anders sein, von Marnie ordentlich auf Trab gehalten wird. Bei dem Anblick versuche ich kurz, mir vorzustellen, wie es wäre, wenn ihre Gitarre per Kabel mit dem Verstärker verbunden wäre und sie die tobende Menge langsam aber sicher einwickeln würde. 😀 So geht aber alles glatt, und sie kommt auch unfallfrei zurück auf die Bühne, wo Marwin mittlerweile wie ein Derwisch unterwegs ist und ich mich frage, wie er da noch die Luft für Heros Path, Undefined oder Chaos hat. Heute schaffe ich es auch wieder, auch Fotos von Florian zu machen, der wahrscheinlich auch gern im Moshpit unterwegs wäre. Aber zumindest Headbanging geht auch hinter den Drums.

Der Showbeginn von Aeries verzögert sich dann, weil es technische Probleme mit dem In-Ear-System gibt. Laura nimmt’s mit Galgenhumor und kommentiert mit “wir wären ja nicht Aeries, wenn alles glatt laufen würde”. Auch nicht ganz glatt gelaufen ist es in der Bandgeschichte, denn noch im März dieses Jahres haben sie verkündet, dass sie ab sofort als Trio weitermachen. Was aber definitiv geklappt hat, waren die Arbeiten am Debütalbum Arcanum, das zur Veröffentlichung im September dieses Jahres angekündigt ist. Und gleich mit dem ersten Track Bogyra ist mir klar, warum sie auch schon die mächtigen Jinjer supporten durften. An Energie steht Laura ihrer ukrainischen Sangeskollegin Tatiana nichts nach und beherrscht genauso den Wechsel zwischen Clean Vocals und fiesen Growls. Durch die Verzögerungen in der Umbaupause ist die Zeit schon weit vorangeschritten, also werden nicht allzu viele Worte gemacht. Die Setliste ist ziemlich lang und wartet unter anderem noch mit Alienate und Waves aus 2020 und Crystals und Mardi Gras aus diesem Jahr auf. Im Gegensatz zur quirligen Laura steht Gitarrist Julian wie ein Fels in der Brandung auf der Bühne. Der hat aber tatsächlich genug mit den acht Saiten seiner Gitarre zu tun, und ihm bei den teilweise djentigen Riffs direkt auf die Finger zu schauen, ist schon sehr beeindruckend. Auch Dome an den Drums ist schwer beschäftigt und teilweise fast schon komplett abgetaucht, während er auf die Toms und die Becken eindrischt. Auch von Aeries gibt’s natürlich ein fettes Dankeschön an das Blue Shell und an uns alle, die wir an einem Freitagabend vor der Bühne stehen. Den Dank kann ich an alle drei Bands zurückgeben, die uns hier und heute bestens unterhalten haben. Da die Zeit mittlerweile aber zu weit vorangeschritten ist, müssen Aeries ihre Setliste kürzen und schließen den Auftritt mit Gisma ab. Auf die “Zugabe”-Rufe können sie dann leider auch nur mit einem “geht leider nicht” reagieren. Nach diesem großartigen Auftritt werde ich die drei auf jeden Fall verstärkt im Auge behalten und bin auch sehr auf das Debütalbum gespannt.

Sehr routiniert und dementsprechend zügig geht’s dann an den Abbau, aber es ergeben sich natürlich noch genügend Gelegenheiten für kurze Plaudereien. Dann mache ich mich aber auf den Weg ins nahegelegene Parkhaus. Dass ich dann für die knapp sechs Stunden, die mein Auto dort stand, 15€ bezahlen muss, kann meine gute Laune auch nur kurz trüben. Wer in dieser Gegend in einer Tiefgarage parkt, muss halt mit den Tarifen leben.

Die kompletten Fotostrecken gibt’s wie immer auf https://heike-leppkes-konzertfotos.de

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