Autor:
Lesedauer ca. 3 min.

Firn – Frostwärts

Künstler:

Firn

Herkunft:

Deutschland

Bandmitglieder:

Firn ist das Soloprojekt von Horda (Waldtraene und Oedroerir)

Link:

Album:

Frostwärts

Genre:

Pagan Black Metal

Erscheinungsdatum:

25.02.2022

Tracklist:

1. Frostwärts
2. Urkraft
3. Wo Die Winde Thronen
4. Sonnenrad
5. Menhir
6. Vater Berg
7. Firn

Es ist fast, als ob Adam von Schattenpfade mitbekommen hat, wie viele Black Metal-Alben am vergangenen Bandcamp Friday in meiner Sammlung gelandet sind. Nur ein paar Tage später meldet er sich nämlich bei mir und hat das Debütalbum Frostwärts von Firn im Gepäck. Das wird am 25.02. via Einheit Produktionen / Schattenpfade veröffentlicht und konnte bereits einige sehr gute Rezensionen, sowohl von Magazinen als auch von Musikerkollegen aus der Szene, einfahren. Pagan Black Metal findet sich in meinen Playlisten eher selten. Dass Horda Wolf, den man bislang von Waldtraene und Odroerir kennen könnte, und der Firn als sein Soloprojekt ins Leben gerufen hat, aus der Nähe meiner Heimat, nämlich aus dem schönen Harz kommt, bringt ihm schon mal einen Pluspunkt. 😀

Dass man mit sieben Songs auf eine Spielzeit von etwas über eine Stunde kommen kann, zeigt schon mal, dass wir es hier nicht mit radiotauglichen Songlängen zu tun haben. Auf Frostwärts warten epische Hymnen, die sich wohltuend von dem abheben, was ich sonst so als Pagan (Black) Metal kenne. Da ist nichts mit “hoch die Methörner”, wobei ich zugegebenermaßen ein paar Mal anfange ein wenig zu schunkeln. Das weicht aber bald einem gepflegten Kopfnicken und dem aufmerksamen Lauschen der wohlformulierten Texte. Ja, die verstehe ich hier tatsächlich mal, zumindest rein akustisch. Der Sinn bleibt für mich ein wenig im Nebel, aber dass Firn hier auf sehr naturverbundenen Pfaden wandelt und seine ganz eigene Sicht auf die Welt kundtut, erschließt sich auch mir.

Überwiegend bewegt Firn sich dazu im mittleren Tempobereich, das verleiht den Songs auch tatsächlich noch ein wenig mehr Erhabenheit. Dazu tragen auch die Chöre bei, wie man sie gleich in Frostwärts hört. Das vor sich hin stampfende Urkraft kommt ebenfalls sehr majestätisch daher, und die immer mal wieder erklingende Flöte behauptet sich tapfer gegen die großen Chöre. Bei Wo Die Winde Thronen scheint Firn fast zu ahnen, wie ich Black Metal eigentlich am liebsten mag, nämlich schnell. Ein paar Mal hat er bei Urkraft schon das Tempo angezogen, aber in Song Nummer drei gibt’s gleich nach dem ungefähr eine Minute langen Intro zum ersten Mal “puren” Black Metal auf die Ohren. Blastbeats und Doublebase finden in diesem Song genauso ihren Platz, wie eine ruhige Bridge mit hellen Keyboardklängen und die allgegenwärtigen coolen Riffs. Da könnte man fast schon von “Progressive” sprechen, oder einfach von wohldurchdachten Tempowechseln. Sehr geil!

Jetzt bin ich mit Sonnenrad schon bei Song Nummer Vier angekommen und habe mich noch nicht eine Sekunde lang gelangweilt. Nach wie vor hat Firn meine volle Aufmerksamkeit, und ich verfolge auch weiterhin sehr gern den stetigen Wechsel zwischen den verschiedenen Gesangsarten, harsch und clean, Sologesang und Chöre. Auch die Tempowechsel, die immer irgendwie Sinn machen, können das Hörvergnügen weiterhin aufrechterhalten. Und dann kommt mit Menhir mein zweiter Favorit. Black Metal-Raserei trifft auf symphonische Elemente, wunderbares Gitarrenspiel umflirrt Blastbeats… Gänsepelle! Und dann wieder diese erhabenen Parts im Midtempo, die so imposant daherkommen und dennoch eine tiefe Verbundenheit mit der Natur bekunden.

Zu Vater Berg gibt’s ein Video, und nachdem ich mir das angeschaut hatte, ahnte ich ungefähr, auf welchen (musikalischen) Pfaden sich Firn bewegt. Ähnlich wie beim Titeltrack könnte ich fast ein wenig ins Schunkeln geraten, aber die in schönem Klargesang vorgetragenen Texte lassen mich dann doch eher gebannt vor den Boxen sitzen. Harschen Gesang gibt’s auch, es scheint manchmal fast wie ein Dialog der beiden Stimmen. Und für kurze Zeit regieren auch wieder die Blastbeats, die von epischen Chören abgelöst werden. Mit dem Song, der heißt wie der Künstler, schließt Frostwärts. Er wartet zwar auch mit symphonischen Elementen auf, kommt überwiegend aber im gehobenen Midtempo ein wenig rauer daher. Der fast schon opernhafte Gesang ist mir dann etwas zu viel, aber das ist Kritik auf sehr hohem Niveau.  

Unser Fazit

Da das, was ich bislang aus dem Pagan-Bereich kannte, eher nicht so meins war, war ich vor dem ersten Hören von “Frostwärts” ein wenig skeptisch. Aber schon mit dem Video zu “Vater Berg” konnte mich Firn beruhigen, das ragt tatsächlich wohltuend aus dem großen Meer der metseeligen Masse an Songs heraus. Und ähnlich, wie nach dem Hören von Wardruna oder Heilung – komplett anderes Genre, aber ähnliche Weltanschauung – fühle ich mich fast ein wenig geerdet, als der letzte Ton von “Forstwärts” verklungen ist.

Unsere Wertung

9.0 von 10.0

Diesen Beitrag teilen

Facebook
WhatsApp
Telegram
Email

mehr Reviews

Jetzt meldet sich das Quartett mit neuem Material zurück und hat am 16.02. die Single "Give It To Me" veröffentlicht.
Mit ungefähr 26 Minuten, wartet To Those Who Tremble auf, und Aglasio zeigen im ungefähr dreißigsekündigen instrumentalen Intro noch nicht ansatzweise, was für eine progressive Schönheit sie da erschaffen haben.
Alle Inhalte geladen
Keine weiteren Inhalte verfügbar
Nach oben