Heike

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Apoa – Kryonaut

Künstler:

Apoa

Herkunft:

Dresden, Deutschland

Bandmitglieder:

Christoph Laubsch (Gitarre)
Silvio Grohmann (Bassgitarre)
Marcus Peterhänsel (Schlagzeug)

Link:

Album:

Kryonaut

Genre:

Post Rock

Erscheinungsdatum:

03.09.2021

Tracklist:

1. 1850
2. Passing Lights
3. Echelon
4. Owlman
5. Jophar
6. The Tempest
7. Flatline
8. Kryonaut

Ist es tatsächlich schon fünf Jahre her, dass ich Apoa mit ihrem tollen Auftritt beim Longsound-Festival in Münster gesehen habe? Wow! Damals hatten sie noch ihr Album Enuma Elis im Gepäck. Den Silberling hatte ich mir nach der Show direkt zugelegt, und er dreht immer noch mal seine Runden in meinem Player. Noch länger zurück als meine erste Begegnung mit Apoa liegt die erste Show, die Silvio und Marcus gemeinsam gespielt haben. Das war nämlich tatsächlich vor 21 (!!) Jahren, damals noch in der Band Complex Cole. Nachdem Christoph dann im Jahr 2005 dazustieß, ging es so langsam los mit Apoa, und am 01.12.2012 erschien das Debütalbum Parallel Lines.

Jetzt sind die Jungs aber mit was Neuem am Start. Kryonaut heißt das gute Teil; ein Konzeptalbum, das mit ungefähr 43 Minuten Spielzeit aufwartet und für das bereits im Herbst 2018 die Aufnahmen begannen. Und nicht nur zu den Songs haben sich Apoa Gedanken gemacht, denn des Rätsels Lösung, worum es auf Kryonaut geht, soll im Cover liegen. Im Entschlüsseln von Symbolen war ich leider noch nie gut, aber ich bin sowieso eine Banausin, was Konzeptalben angeht. Die Musik muss mir gefallen, und das, so viel kann ich schon sagen, tut sie definitiv. Im Infosheet ist u. a. zu lesen, dass Apoa ihr Soundgewand weiter ausbauen wollten. Das haben sie nicht nur, aber auch durch den verstärkten Einsatz von Synths und E-Drums-Parts definitiv erreicht. Beim Hören bin ich tatsächlich manchmal versucht, den Kopf zu heben, um mir die mächtigen Soundwände, die aus den Kopfhörern strömen, in ihrer vollen Pracht anzuschauen. Nein, ich habe keine Drogen genommen! 😀

Der Beginn von 1850 klingt ein wenig so, als ob riesige Steine, oder auch die Eisblöcke vom Cover (?), von einer großen Maschine zermahlen werden. Und die ersten Synthesizer-Parts wabern auch schon ins Ohr. Das erinnert mich ein wenig an das großartige Album Salute Solitude der polnischen Post Rock-Band Spoiwo. Im folgenden Passing Lights treten die Synthesizer-Parts komplett in den Hintergrund und machen einem wunderbaren Gitarrenspiel und einem sehr akzentuierten Bass Platz. Verträumte Passagen wechseln sich ab mit ersten Soundbergen, aber das ist nur das Vorgebirge. Auch Echelon bewegt sich eine Zeitlang in diesem recht entspannten Feld, kommt dann aber mit einem Stimmungswechsel um die Ecke, den ich nicht erwartet hatte und bei dem sich vor meinem geistigen Auge die unendlichen Weiten des Weltalls auftun. Der Song wird als einziger auf dem Album langsam ausgeblendet, das fand ich ziemlich ungewöhnlich. Owlman ist der wohl progressivste Song auf Kryonaut und touchiert mit pluckerndem Bass und zum Headbangen animierenden Parts stellenweise schon den Post Metal.

Dazu steht Jophar in krassem Kontrast. Der Song hält sein Tempo, kommt sehr reduziert nur mit Gitarre(n) und Percussion daher und könnte mit seinen sich wiederholenden Melodien und dem regelmäßig angeschlagenen Percussion-Instrument – ist es ein Holzblock? – fast zum Meditieren einladen. Bei The Tempest ist nichts mehr mit reduziert oder Percussion. Streckenweise klingt der Song mit den wabernden Synthies ziemlich spacig. Hier habe ich als Schlagzeugfan dann auch endlich mal die Gelegenheit, mich dem tollen Spiel von Marcus zu widmen, denn der ist dank des hervorragenden Mix nicht irgendwo im Hintergrund verschwunden, sondern sehr präsent. Im folgenden Flatline ist mir persönlich die Bassgitarre ein wenig zu sehr nach vorn gemischt, das macht aber die grandiose Wall Of Sound am Ende wieder wett. 😀 Und dann ist auch schon der letzte und zugleich längste Song des Albums erreicht. Es ist der Titeltrack Kryonaut, der sich zunächst mal zäh wie Lava und sehr elektronisch aus den Kopfhörern ergießt. Fast wie improvisiert klingt das schöne Gitarrenspiel teilweise, und es steht im krassen Kontrast zu den im Hintergrund wabernden Synths. Aber es geht auch umgekehrt, und Silvio darf mit einer coolen Bassline zur großartigen Wall Of Sound hinführen. Mit dem gleichen Geräusch, wie das Album begann, endet es auch, und ich rätsele immer noch, was dahintersteckt.


Unser Fazit

Ich habe ja schon einige Post Rock-Shows besucht und weiß, dass die Gitarristen da immer gut bestückte Pedalboards vor sich haben. Oft sind die Bands aber mit mindestens zwei Gitarristen besetzt, die dann die verschiedenen Parts übernehmen. Da hatte Christoph dann natürlich genug zu tun. Nach dem Genuss dieses Albums verstehe ich aber voll und ganz, dass die Aufnahmen so lange gedauert haben. Und wieder einmal kann ich meinen Hut nicht tief genug ziehen vor der Leidenschaft, mit der auch Apoa dranbleiben an dem, was sie lieben. Releaseshows konnten sie ja spielen, das war anderen Bands nicht vergönnt. Aber über so viele Jahre sein Herzblut, seine Energie, Zeit und nicht zuletzt natürlich auch Geld in dieses Hobby zu stecken, nötigt mir definitiv sehr viel Respekt ab.

Unsere Wertung

9.0 von 10.0

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