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Lesedauer ca. 13 min.

Hell Over Halen “The Awakening” Open Air am 07.05.2022 in Emstek

Eventname:

Hell Over Halen "The Awakening" Open Air

Künstler:

Nachtblut, Suicidal Angels, Mount Atlas, Saint Lilly, Asenblut, Sector, Rapture, Clear Sky Nailstorm, De Winnewupps, No Rest For Jane

Ort:

Emstek

Datum:

07.05.2022

Genre:

Heavy Metal, Thrash Metal, Death Metal, Melodic Death Metal, Heavy Rock, Industrial Metal, Pagan Metal, Black Metal, Stoner Rock, Classic Rock, Alternative Rock, Grunge, Dark Metal

Veranstalter:

Hell Over Halen e. V.

Heute ist es endlich soweit, das Hell Over Halen “The Awakening” Open Air in Emstek steht an. Vor mir liegen ungefähr 230km Anfahrt, das Hotel ist gebucht, die Wettervorhersage ist gut, der Tank ist voll, also rauf auf die erste Autobahn. Erstaunlicherweise komme ich fast auf die Minute genau, wie ich es mit dem Hotel vorher besprochen hatte, dort an, um meinen Schlüssel in Empfang zu nehmen. Auf den letzten Metern zum Festivalgelände muss ich dann doch noch ein Pärchen fragen, das mir auf Fahrrädern entgegenkommt. Die beiden wollen auch zum Festival und können mich richtig einnorden. So komme ich auch dort pünktlich eine Stunde vor Beginn an, kann mein Pressebändchen in Empfang nehmen und lerne auch gleich das Orgateam und den Bürgermeister von Emstek kennen. Der kommt als klassischer Metalhead daher und ist genauso entspannt, wie alle anderen, die bereits auf dem Gelände unterwegs sind. No Rest For Jane haben gerade Soundcheck, und das Einhorn, das ich in meinem Vorbericht eigentlich Saint Lilly zugeschrieben hatte, steht in Form eines Plüschtierchens als Bandmaskottchen vorn am Bühnenrand.

Apropos Vorbericht; da hatte ich ja geschrieben, dass ich bei No Rest For Jane, die den Festivaltag eröffnen dürfen, wohl zwischen Fotografieren und Headbangen hin- und hergerissen sein werde. Dem kann ich noch Zuschauen hinzufügen, denn was die fünf für eine Show abliefern, ist gleich mal sehr geil. Nicht nur optisch sticht Sängerin Anna heraus, sie kann richtig fiese Growls raushauen, während Martin (Gitarre, Backgroundgesang) und Paul (Bassgitarre) moshen und headbangen, als gäbe es kein morgen mehr. Modern Melodic Death Metal wird auf die leider noch nicht so zahlreich vorhandenen Gäste losgelassen, und es gibt auch tatsächlich schon einen Metalhead, der sich vor der Bühne ordentlich austobt. Seine Ausdauer ist übrigens bemerkenswert, denn er hält tatsächlich bis zur letzten Band durch. Da gehe ich schon auf dem Zahnfleisch… 😀

Die Männer von Saint Lilly treffe ich vor ihrer Show schon im Backstagebereich, aber mein Versuch, mit ihnen ins Gespräch zu kommen, wird leider mit so etwas wie Desinteresse beantwortet. Das motiviert mich natürlich nicht wirklich für die Show, die jetzt kommt, aber sei’s drum. Grob gesagt gibt’s jetzt Alternative Rock, wobei Saint Lilly hier einen Mix aus Grunge, Stoner Rock und Oldschool Metal präsentieren, der sich mir, ehrlich gesagt, nicht erschließt. Sänger Jan erweist sich als sehr bewegungsfreudig, rennt auch mit einer Flasche Bier zwischen den Gästen hin und her, um mit ihnen anzustoßen. Da halten sich Gitarrist Zanjo und Basser Martin dann wohlweislich zurück, während Dirk am Schlagzeug sichtlich seinen Spaß hat. Da Saint Lilly verlangt haben, dass alle Fotos vor Veröffentlichung von ihnen freigegeben werden müssen, ist die Fotoauswahl für diesen Bericht nicht meine. Über das Thema hatte ich nach ihrer Show lange Gespräche mit den Männern, denn so etwas habe ich, seit ich bei Konzerten fotografiere (im Jahr 2014 habe ich damit begonnen) noch nie erlebt. Mehr sage ich dazu jetzt nicht.

Dann kommen mit De Winnewupps die Lokalmatadoren auf die Bühne. Dass es die Band tatsächlich bereits seit dem Jahr 2014 gibt, bringt mich, wenn ich mir die Jungs so anschaue, auf den Gedanken, dass sie wohl fast noch als Teenager begonnen haben müssen. Von einstudierter Bühnenshow oder “gelangweilter” Routine aber überhaupt keine Spur. Natürlich verstehen sie sich wortlos und sind bestens aufeinander eingespielt. Aber dass sie mächtigen Spaß haben, ihre Songs zum Besten zu geben, sehe ich auch durch den Sucher meiner Kamera. Sehr originell ist auch der Mikroständer, an dem unten ein Schaufelblatt angebracht ist. Und während ihr Sänger Thorben nur auf der Bühne unterwegs ist, widmet sich Bassist Matthias nicht nur seinem Spiel, sondern auch ausgiebigem Headbanging. Das sieht bei der langen Haarpracht, um die ihn so manche Frau beneiden mag, schon sehr cool aus. Und De Winnewupps haben auch noch eine kleine Überraschung, denn sie haben speziell für diesen Tag eine eigene Hymne geschrieben! Da lässt es sich natürlich auch das Orgateam nicht nehmen, mit auf die Bühne zu kommen und die Pommesgabel zu zeigen. Mitsingen beim Hell Over Halen-Refrain ist nicht schwierig, und dann natürlich auch für mich Pflicht! 😀

Mit Christian, dem Sänger der Münchner Band Rapture, hatte ich mich vor der Show schon unterhalten können. Der ist, wie er selbst sagt, was Fotos betrifft, vollkommen schmerzfrei. Gut zu wissen, denn von ihm ein Foto zu kriegen, auf dem er nicht wie ein Berserker über die Bühne tobt, ist ziemlich schwierig. 😀 Da es dann während der Show von Rapture tatsächlich anfängt zu regnen, ziehen sich die Anwesenden unter die Vordächer der Bierwagen zurück. Ich hatte prophylaktisch mein Regencape eingepackt, so kann ich zumindest weiter direkt vor der Bühne bleiben und mir das Spektakel anschauen. Auch einige “tapfere” Metalheads trotzen dem Wasser, das jetzt von oben kommt. Dass Christian selbst den Regen mit Humor nimmt, zeigt er in seiner Ansage, dass seine “Bühnenakrobatik” eigentlich kein Regentanz gewesen sei. Auch hier hält sich die Saitenfraktion zurück, Christian ist einfach eine Rampensau par excellence und verleiht dem Pop Grind, wie Rapture ihre Musik selbst nennen, ordentlich Leben. Mit Songtiteln wie Maxima Hormiga, Insectigence oder Less Human Than Human wird das “Genre” Pop Grind lebendig. Und auch der Wettergott hat ein Einsehen, nach einer knappen Viertelstunde verziehen sich die Wolken, und die Sonne kommt wieder zum Vorschein.

Mit Clear Sky Nailstorm kommt dann die erste Band, die ich kenne. Und nachdem ich sie ja auch schon in meinen Musiktipps vom 30.03. empfohlen hatte, freue ich mich sehr, sie heute endlich mal live erleben zu können. Passend zu ihrer eigenen Bandbeschreibung “Bremer Thrashmusikanten” gibt’s als Intro das Kinderlied zu den Bremer Stadtmusikanten. Die Setliste hätte ich eigentlich gar nicht abfotografieren müssen, sie besteht nämlich nur aus mystischen Kürzeln, wie TTA oder GNTF. Aber Sänger/Gitarrist Thomas, der mich dabei beobachtet, bittet mich trotzdem, die Songs nicht zu spoilern. Nicht zuletzt damit beweist er, dass wir Norddeutschen definitiv NICHT humorlos sind. 😀 Und mit ihrer Show beweisen die Männer, dass auch Thrash Metal sehr viel Spaß machen kann. Die Spielfreude, die die Männer auf der Bühne an den Tag legen, überträgt sich rasend schnell aufs Publikum, da gibt’s einen Moshpit genauso, wie Headbanger. Und um die Kürzel zu entschlüsseln: TTA ist The Toxic Ages vom Album The Deep Dark Black (2020), und hinter GNTF verbirgt sich Good Night To Fight von The Inner Abyss (2016).

Mit den jetzt auf der Bühne stehenden Mount Atlas gibt’s den nächsten Genrewechsel. In meiner Musiksammlung findet sich Stoner Rock gar nicht, Classic Rock auch eher selten. Aber die Männer verbinden diese beiden Genres zu einem richtig gediegenen Mix und liefern eine sehr coole Show. Damit können sie nicht nur mich überzeugen, und viele der Anwesenden erweisen sich bei Songs wie Down To Earth, Throne Of Gold oder Evil Side als sehr textsicher. Eine Rampensau ist Sänger/Gitarrist Jonas eher nicht, die fünf bilden eine kompakte Einheit, und so können die Blicke über die Bühne schweifen, während die meist um die vier Minuten langen Tracks Erinnerungen an Bands wie Uriah Heep oder auch Black Sabbath wecken. Da darf in der Bandbesetzung natürlich auch das Keyboard nicht fehlen, das immer mal wieder den wohlbekannten Sound der Hammondorgel liefert. Einen Coversong hat das Quintett auch dabei, und bei Gimme Some Lovin’, das die Spencer Davis Group im Jahr 1966 veröffentlicht hat, kann ich dann auch endlich mal mitsingen. 😀

Die Männer von Suicidal Angels sind gerade auf ihrer ausgedehnten European Summer Madness 2022-Tour, die heutige Show ist die vierte im Tourplan. Thrash Metal-Fans kriegen nach Clear Sky Nailstorm das zweite Wohlfühlpaket geliefert. Für ihre Setliste kann die griechische Band, die während ihrer 21jährigen Bandgeschichte insgesamt sieben Full Length-Alben, einige Demos, EPs und ein Live-Album veröffentlicht hat, aus dem Vollen schöpfen. Hauptaugenmerk liegt natürlich auf dem letzten Album Years Of Agression, das mit gleich fünf Songs bedacht wird (u. a. Endless War, Born Of Hate und Bloody Ground). Aber auch das 2009er Album Sanctify The Darkness, Dead Again aus 2010 und Division Of Blood aus 2016 werden mit Songs wie Apokathilosis, Reborn In Violence, Front Gate und Eternally To Suffer bedacht. Genau wie Jonas bei Mount Atlas ist Sänger/Gitarrist Nick nicht wirklich eine Rampensau, dafür wirbeln Gitarrist Gus und Bassist Angel umso mehr über die Bühne, tauschen ständig die Plätze und liefern sich mit ihren Instrumenten so einige Battles. Insgesamt natürlich eine sehr geile Show, und auch das Outro Sharp Dressed Man (ZZ Top) passt (besonders aus dem Blickwinkel einer Frau) wie A… auf Eimer. 😉

So langsam ist es dunkel geworden, und mit der Dunkelheit kommt auch die Kälte über das Festivalgelände. Dagegen können Nachtblut aber was tun, denn die Dunkelheit wird mit einer sehr coolen Lichtshow vertrieben, und die Kälte spüren die Fans, die sich jetzt dicht an dicht vor der Bühne versammeln, sicherlich auch nicht. Seit dem Jahr 2005 hat sich das Quartett mit seinen theatralischen Shows eine beträchtliche Fangemeinde erspielt und wird auch heute lautstark von ihnen unterstützt. Bei den Texten der Dunkelmetaller darf man nicht zimperlich sein, denn Nachtblut sprechen eine klare Sprache und sind dabei auch gern mal provokant. Das zeigt sich nicht nur bei Songs wie Multikulturell, Kreuzigung, Frauenausbeiner oder Was Is’ Denn Nur Los Mit Dir. Passend zum Corpsepaint der vier, das mich natürlich auch an Black Metal-Bands denken lässt, gibt’s auch was mit Blut. Das wird von Sänger Askeroth in hohem Bogen sprühnebelartig wieder ausgespuckt und landet in seinem Gesicht, was ihm ein ziemlich martialisches Aussehen verpasst. Gar nicht blutig geht es bei dem Gastauftritt von Asenblut-Sänger Tetzel zu. Der darf natürlich erstmal seine zugegebenermaßen mächtig beeindruckenden Muskeln zeigen, dann aber auch beweisen, dass aus dem breiten Brustkorb auch eine kräftige Stimme kommt. Lied Für Die Götter schließt das Set ab, aber Nachtblut zeigen sich sehr fanfreundlich. Das Meet & Greet-Zelt ist jedenfalls gut besucht, als sich zumindest drei der vier Bandmitglieder dort einfinden.

Gerade durfte ich Tetzel bereits auf der Bühne sehen, jetzt steht er mit seiner eigenen Band dort. Musikalisch ist das, was Asenblut liefern, eher meins. Bei dem Melodic Death Metal, dem auch ein wenig Pagan Metal nicht abzusprechen ist, darf man durchaus an Amon Amarth denken. Die haben ja mit Johan Hegg auch einen Hünen am Mikro, und musikalisch ist es sicherlich nicht der schlechteste Vergleich. Jetzt kann man wählen, ob man die Pommesgabel oder die Faust in die Höhe reckt. Die Fans sind jedenfalls nach wie vor nicht müde und rütteln vor Begeisterung teilweise so heftig an der Absperrung zum Fotograben, dass ich befürchte, der kippt um. Aber der hält genauso durch, wie die Männer auf der Bühne und wir alle davor. Mit Die Wilde Jagd haben Asenblut einen passenden Songtitel für das, was jetzt passiert. Und so entwickeln wir uns Seite An Seite erst zu einem Drachentöter und dann zu einem Berserker, dem gemeinsam mit den Helden Des Ewigen Sturms und den legendären 300 das Asenblut durch die Adern fließt. Bei der Band Asenblut gibt’s mal wieder eine Rampensau vom Feinsten, und Tetzel weiß nicht nur mit seinem Gesang, sondern auch mit sehr unterhaltsamen Überleitungen zum nächsten Song zu punkten.

Mit einer Rampensau können auch Sector aufwarten, die bei ihrem Aufbau ein wenig mehr zu tun haben, als der größte Teil der restlichen Bands. Egoriser finden jetzt wieder ihren Platz am Bühnenrand, und der Mikroständer von Sänger Nils sieht eher aus wie ein Rednerpult. Aber auch der ist Teil der ausgeklügelten Lichtshow, die das in Szene setzt, was ich eigentlich nur als Moderne Kunst bezeichnen kann. Das, was Sector selbst auf ihrer Homepage schreiben, trifft es schon ganz gut. Daher erlaube ich mir, das zu zitieren: “… mischt die Hamburger Band irre Metalriffs und archaische Vehemenz mit Gewehrsalven, Sirenen, Maschinenlärm und hypnotischen Synthies. Getragene Elektro-Sequenzen treffen gnadenlose, brutale Gitarrenwände…”. Dazu schreit sich Nils die Lunge aus dem Leib, während er über die Bühne stapft, auf einen der Egoriser steigt oder sich hinter seinem “Rednerpult” aufbaut. Was ein Energiebündel zu dieser späten Stunde! Apropos Energie: die macht leider von jetzt auf gleich schlapp, Stromausfall, es wird still. Das Team der Techniker wird aktiv und versucht, den Schaden zügig zu beheben. Aber nach einer längeren Wartezeit müssen die Männer von Sector die Segel streichen und beginnen mit dem Abbau. So nimmt ihr Auftritt ein jähes Ende. Und die nach Sector eigentlich geplanten Wild Riot finden gar nicht mehr statt, was mir für die natürlich noch mehr leidtut.

Da es mittlerweile wirklich a…kalt geworden ist, muss ich leider auf längere Gespräche mit dem Grüppchen, das sich um die Männer von Sector versammelt hat, verzichten. So mache ich mich auf ins Hotel, um wenigstens noch ein paar Stunden Schlaf zu kriegen, bevor es später wieder auf den Heimweg geht. Der verläuft im Übrigen genauso entspannt, wie die Hinfahrt. Zu Hause wollen dann aber erstmal die ungefähr 1600 Fotos bearbeitet werden, die sich auf meinen SD-Karten angesammelt haben.

Ich möchte es aber nicht verpassen, dem Orgateam und allen anderen Beteiligten ein ganz großes Kompliment auszusprechen. Das war ein geiles “kleines” Festival in einer tollen Kulisse. Bei geplanten 11 Bands von “klein” zu sprechen, ist vielleicht nicht ganz passend, aber bei ungefähr 300 – 350 Besuchern dann wohl schon. Alles sehr entspannt, und auch die Teams von der Security, vom Roten Kreuz und auch der Polizei hatten wohl eine ruhige Zeit. Etwas mehr zu tun hatten sicherlich die Teams an den Info-, Merchandise-, Essens- und Getränkeständen, aber anders hätten sie es sicherlich nicht haben wollen. 😀

Die kompletten Fotostrecken (außer Saint Lilly, für die ich außer für fünf Fotos noch keine Freigabe habe) gibt’s wieder auf meiner Seite https://heike-leppkes-konzertfotos.de

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