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Lesedauer ca. 5 min.

Rock im Bahnhof II am 17.06.2023 im Gleis 11, Bergheim

Eventname:

Rock im Bahnhof II

Künstler:

Alunite, Among Traitors, Coming Down, Undo

Ort:

Gleis 11, Bergheim

Datum:

17.06.2023

Genre:

Alternative Rock, Alternative Metal, Metalcore, Rock

Veranstalter:

Rock im Fort

Heute geht’s mal wieder in Richtung Köln, aber nicht rein in die Millionenstadt, sondern ins wesentlich kleinere Bergheim. Als ich dann am Gleis 11 ankomme, sitzen ein paar Grüppchen auf den Bänken vor dem Gebäude. Bevor ich überhaupt schauen kann, wer da so sitzt, schallt mir schon ein “Hallo Heike” entgegen. Es sind Mitglieder der Bands Coming Down und Alunite, die ich beide schon live erleben durfte. Da setze ich mich natürlich gern dazu und genieße die Sonne. Zum “kleinsten Festival in und um Köln”, wie es Rock im Fort selbst auf ihrer Facebook-Seite schreiben, hatte der Zusammenschluss “von Musikern für Musiker” geladen. Und auch, wenn es heute in den Gesprächen immer wieder für Erstaunen sorgt, das Gleis 11 kannte ich vorher tatsächlich noch nicht. 😃

Auch das Pärchen, das uns dann zur Show begrüßt, kenne ich nicht. Wie sich aber schnell herausstellt, sind es Laila und Dennis von Undo. Die halten es erfreulich kurz, die fünf von Among Traitors scharren nämlich im wahrsten Sinne des Wortes schon mit den Hufen. Es ist tatsächlich erst fast auf den Tag genau ein Jahr her, dass ich das Quintett zum ersten Mal live erlebt habe, heute sehe ich sie zum vierten Mal. Den Vierteljahres-Rhythmus sollten wir verkürzen, denn Shows von Among Traitors sind immer ein Erlebnis. Musikalisch haben sie heute als einzige Vertreter von Metalcore so etwas wie eine Sonderstellung. Mit einem Mädel in der Band sind sie heute aber in der Mehrheit, denn auch Alunite und Undo können mit einer Musikerin/Sängerin aufwarten. Stillstand gibt’s bei Among Traitors nicht, und zwar weder auf der Bühne noch beim Songwriting. Neben Prison, Out Of Time, Circles oder meinem absoluten Lieblingstrack Never Again haben sie auch einen neuen Song mitgebracht. Der hat noch nicht einmal einen Namen, den muss Flo in seiner “Kreativitätsschmiede” noch finden. Auf der Setliste steht er als New 2, und wenn man das englisch ausspricht, könnte man es fast so stehenlassen. 🤭

Von den drei Bands, die ich heute schon kenne, habe ich Coming Down am längsten nicht gesehen. Bei ihrer Show im Resonanzwerk im Juli 2021 mussten die Gäste noch sitzen, das brauchen wir heute nicht. Aber die Energie, die insbesondere Sänger Marvin an den Tag legt, ist bei den Temperaturen, die auch im Gleis 11 herrschen, bemerkenswert. Kaum denke ich, dass ich ihn endlich mal im Fokus habe, ist er schon wieder auf und vor der Bühne unterwegs. Und da beweist er auch, dass man nicht nur zu Metalcore oder Deathcore eine Wall of Death starten kann. Das geht auch zu dem vorwärtstreibenden Alternative Rock, den das Quintett präsentiert. Mit ihrem neusten Song Become So Numb legen sie los, aber auch Coming To An End oder Back Home finden sich auf der Setliste. Zu den Songs gibt’s auf der YouTube-Seite von Coming Down auch Videos, das Spotify-Profil ist noch ziemlich verwaist. Aber das wird sich sicherlich noch ändern, denn für dieses Jahr ist die Veröffentlichung des Albums Irresistible angekündigt, den Titeltrack haben die Jungs heute auch mitgebracht. Als sich Marvin dann zum Ende der Show hin einen Stuhl schnappt, denke ich ja, dass er nun doch erledigt ist und sich hinsetzt. Aber nein, da klettert er drauf und treibt mir mit der Aktion noch ein paar mehr Schweißperlen auf die Stirn. Aber es geht alles gut, und der letzte Song Move On ist vielleicht auch so etwas wie ein Ausblick auf das, was die Jungs noch vorhaben.

Nicht nur bei Shows vom Metal For Mercy e. V. sind Alunite ein gern gesehener Gast. Ich habe die im November 2019 gegründete Band genau bei einer solchen Show kennengelernt, nämlich beim Metal For Mercy Open Air im Juli 2022 in Witten. Da hatten sie Heimspiel, wobei der damals knapp zwei Jahre alte Sohn von Drummer Roman, der mit Alunite-Shirt und dicken Micky Mäusen auf den Ohren fröhlich vor der Bühne herumstapfte, fast mehr Blicke auf sich gezogen hat. 😃 Open Air wäre jetzt tatsächlich nicht schlecht. Aber auch die vier müssen sich mit der “Frischluft” begnügen, die die Klimaanlage liefert. Mit Tika habe ich mich vor der Show ziemlich lange unterhalten, und das Mädel hat mir mit jedem Satz verraten, mit welcher Begeisterung sie schon seit 20 Jahren den Metal aufsaugt wie ein Schwamm. Die Begeisterung merkt man ihr auch auf der Bühne an, wobei sie immer wieder mit ihrer Haarpracht hadert, die bei den Temperaturen wohl tatsächlich eher unpraktisch ist. Aber egal, die Songs der Setliste wollen gespielt werden. Natürlich haben sie unter anderem sowohl ihren neusten Song Breathe In New Life als auch New Perspective aus 2022 sowie T.M.L.S. und Unspoken Thoughts aus 2021 mitgebracht. Da zeigt sich dann, wie breit Tika gesangstechnisch aufgestellt ist, die kann sowohl schnurren als auch fauchen wie eine Katze. Mir gefällt die Show heute definitiv wesentlich besser als die vor knapp einem Jahr, und so stimme ich auch sofort in die Zugabe-Rufe ein, die nach dem letzten Song This Child (Mr. Yeager) laut werden. Auch zu Broken Walkman hat Tika was zu erzählen. Ich hatte damals natürlich auch einen Sony-Walkman, meiner war aber nicht blau, sondern silbern. Aber danke für diesen Flashback und die klasse Show! 🙌

Tja, und dann kommt mit Undo die einzige Band des Abends, die ich noch nicht kenne. Als Laila sich die Konzertgitarre schnappt, bin ich umso gespannter, was da gleich passieren mag. Normalerweise sind sie zu viert unterwegs, werden heute allerdings mit einem Rhythmusgitarristen verstärkt. Im April letzten Jahres haben sie ihre EP Live Less Ordinary veröffentlicht, und natürlich findet sich der Titeltrack genauso auf der Setliste, wie auch I’ve Got A Mind, Out Of Here oder How Long. Der Song Half Gone Girl stammt ebenfalls von dieser EP, und damit haben sie es sogar in die WDR2-Charts bei Szene im Westen geschafft. Aber Undo treten nicht nur mit eigenen Songs an, und Laila zeigt sich nicht nur als versierte Gitarrenspielerin, sondern auch als tolle Sängerin. Da zeigt sich auch bei der Coverversion des Linkin Park-Songs Castle Of Glass, da kann ich dann auch mal laut mitsingen. Dass die fünf trotz der mittlerweile fortgeschrittenen Stunde noch ordentlich Energie und auch sehr viel Spaß haben, belebt dann auch noch einmal meine mittlerweile recht müden Knochen. Als Schlagzeugfan fällt mein Blick immer mal wieder auf Dennis, und es gibt eigentlich kaum eine Sekunde, in der er nicht ein fröhliches Lächeln im Gesicht hat. Die Zeit hat er auch im Blick, denn es ist kaum 0:00 Uhr, da klettert er schon hinter den Drums hervor, um ein Ständchen für das heutige Geburtstagskind anzustimmen. Noch was, wo ich mitmachen kann. 😁

Mittlerweile ist es tatsächlich irgendwas um 0:30 Uhr geworden, seit über sechs Stunden bin ich jetzt in Bergheim. Die anderen Bands verabschieden sich nach und nach, es wird leerer im Gleis 11. Da mir auf Google Maps nicht angezeigt worden war, dass direkt neben Gleis 11 ein P+R-Parkplatz ist, habe ich mein Auto auf einem anderen Parkplatz abgestellt, der einige Gehminuten entfernt ist. Normalerweise eher kein Problem, heute raten mir aber alle davon ab, allein zu meinem Auto zu gehen. Und so werde ich von zwei Gentlemen begleitet, die sich selbst angeboten hatten und dafür sogar die Abbauarbeiten unterbrechen. Danke dafür! 🙏

Die kompletten Fotostrecken gibt’s wie immer auf https://heike-leppkes-konzertfotos.de

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