Autor:
Lesedauer ca. 2 min.

Lotus – Dear Diary

Künstler:

Lotus

Herkunft:

Pune, Indien

Bandmitglieder:

Collin Francis (Gesang)
Siddharth Amarnath (Gitarre)
Robert Alex (Bassgitarre)
Abhishek Mujumdar (Schlagzeug)

Link:

Album:

Dear Diary

Genre:

Post Rock, Progressive Rock, Electronic

Erscheinungsdatum:

04.02.2022

Tracklist:

1. Introduction
2. Don't Feel A Thing
3. Vision
4. Take A Day Off
5. Wither
6. Move On
7. Intact
8. If Only You Knew

Früher war es ziemlich schwierig, neue Bands zu entdecken, vor allem, wenn sie aus entfernteren Regionen der Welt stammen. Entweder las man etwas in der Printausgabe des bevorzugten Musikmagazins, hatte einen kenntnisreichen Bekannten oder hörte per Zufall im Internetradio (bei mir war es Winamp) oder auf MySpace unbekannte Klänge. Heute stehe ich manchmal etwas ratlos vor dem riesigen Angebot, das z. B. auf Bandcamp aufpoppt, wenn ich ein bestimmtes Genre auswähle. Wie ich bei dieser großen Auswahl irgendwann mal die indische Band Lotus entdeckt habe, weiß ich schon gar nicht mehr, aber es wird wohl in einer der diversen Facebook-Gruppen gewesen sein. Gestartet ist die Band im Jahr 2013 als instrumentales Duo mit Siddarth und Robert, und im Juni 2020 veröffentlichten die beiden die Debüt-EP Emergence, die mit vier instrumentalen Songs für eine gute Viertelstunde das musikalische Kopfkino eröffnet.

Mittlerweile ist Lotus zu einem Quartett angewachsen, und die Veröffentlichung des Albums Dear Diary steht an. Es wird am 04.02. via No Binary Records erscheinen und kommt mit seinen acht Tracks auf eine Spielzeit von ungefähr 26 Minuten. Bei dem Albumtitel Dear Diary denke ich sofort an meine Teenagerzeit, als sich die Seiten meiner Tagebücher sehr schnell füllten. Und genau so ist auch das Album als eine Art Sammlung von Tagebucheinträgen anzusehen. Die sind seit Beginn der Pandemie entstanden, deren Ende wir uns ja alle so sehr herbeisehnen, und beschreiben Momente oder Gefühle, die es vielleicht ohne diese besondere Situation nicht gegeben hätte.

Drei Tracks von Dear Diary fanden sich bereits auf der Debüt-EP Emergence, nämlich Vision, Wither und Intact. Und obwohl ich ein sehr großer Fan von instrumentalem Post Rock bin, muss ich sagen, dass nicht nur diesen drei Tracks der wunderbare Gesang von Collin gut steht. Aber egal, ob mit Gesang oder wie in den beiden instrumentalen Songs Introduction und Take A Day Off – die Jungs von Lotus zeigen, dass sie als kompakte Einheit auftreten, bei der jeder dem anderen seinen Raum lässt und sich niemand vordrängt. So erschaffen sie Klanglandschaften, in denen sie mit atmosphärisch klingenden Gitarrenschichten und elektronischen Samples überwiegend auf ruhigen Pfaden wandeln. Ab und zu verlassen sie diese und kommen, wie in Vision, mit coolen Riffs und mächtig Groove daher, oder steigern sich in ein Crescendo aus Synthesizern, Ambient-Gitarren und elektronischen Drums, wie in If Only You Knew, um dann wieder ruhigere Gefilde zu betreten. Dabei ergehen sie sich auch nicht in endlosen Soundkaskaden, um monumental lange Songs zu erschaffen. Nur zwei Songs kommen über vier Minuten, der Rest ist knapp unter bzw. über drei Minuten lang. Da muss dann halt öfters mal die Repeat-Taste gedrückt werden. 😀

Ihre musikalische Vision haben die Jungs von Lotus sehr schön in dem Video zum Song Don’t Feel A Thing visuell umgesetzt. Der Song ist neben Intact und If Only You Knew auch einer meiner Anspieltipps.

Unser Fazit

Wenn sich eine Band vom Duo zum Quartett entwickelt und damit auch von instrumentalen Songs zu Songs mit Gesang wechselt, besteht natürlich die Gefahr, dass sie damit auch ihre Wurzeln kappt und die Pflanze eingeht. Lotus haben aber alles richtig gemacht. Die Wurzeln sind nach wie vor kräftig, die Pflanze konnte ungehindert wachsen und zeigt jetzt mit dem Gesang zum ersten Mal ihre Blüten. Da haben sich tatsächlich vier Musiker gesucht und gefunden und mit Dear Diary ein wunderbares Kleinod erschaffen.

Unsere Wertung

9.0 von 10.0

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