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Lesedauer ca. 7 min.

Devils Labelnight am 09.07.2022 im Helvete, Oberhausen

Eventname:

Devils Labelnight

Künstler:

Anheim, Bedrängnis, Exterminas, Lighthouse, Ortus

Ort:

Helvete, Oberhausen

Datum:

09.07.2022

Genre:

Black Metal

Veranstalter:

Teufelszeug Records

An meinem letzten Urlaubswochenende wird’s mal wieder schwarzmetallisch. Teufelszeug Records hat zur Devils Labelnight ins Helvete geladen und fünf Bands ins Line-Up gehievt. Die weiteste Anreise dürfte dabei die italienische Band Exterminas gehabt haben. Die hätten auf ihrer Fahrt nach Oberhausen wohl auch gleich die Band Bedrängnis mitnehmen können. Die kommen aus der Schweiz und haben heute ihren ersten Auftritt überhaupt. Und auch für Lighthouse ist es eine besondere Gelegenheit, sie feiern nämlich heute Record Release. Im Gegensatz zu sonst eher spärlich besuchten Undergroundshows ist das Helvete heute gut gefüllt; wie eigentlich immer, wenn Black Metal angesagt ist.

Den musikalischen Abend eröffnen dürfen Bedrängnis. Über die habe ich nicht wirklich viel rausfinden können, aber ein kurzer Blick auf die Setliste lässt mich ahnen, dass die Songs länger sind. Die erste Single des Duos wurde im Juli 2020 veröffentlicht, im Februar dieses Jahres erschien das Full Length-Album Die Bürde die wir tragen. Bei dem Band- und dem Album-Namen kann man sich fast denken, was es jetzt gibt, nämlich eher getragene Stücke aus der Richtung Depressive Suicidal Black Metal. In Szene gesetzt wird die Show nicht nur von den Scheinwerfern, die die Bühne in rotes Licht tauchen, sondern auch durch die (echten!) Kerzen, die vor der Show von Drummer Fuath entzündet werden. Vor ihm steht Aeshma (Gesang, Gitarre), der in den langen Instrumentalparts immer mal wieder auf der Bühne unterwegs ist, und sich mal auf der linken, mal auf der rechten Seite präsentiert, bevor er wieder zurück ans Mikro muss. Wenn Aeshma bei der Bühnenpremiere nervös ist, lässt er es sich zumindest nicht anmerken, und das Duo kann sich über den mehr als wohlwollenden Applaus freuen.

Auch Exterminas, die sich nun für ihren Auftritt fertigmachen, kenne ich noch nicht. Auf der Facebook-Seite der Band findet sich aber tatsächlich noch ein Link zu myspace (!), wo man sich die Songs aus 2012 und 2013 anhören kann. Gegründet wurde die Band von Raven (Schlagzeug) und Moloch (Gitarre) bereits im Jahr 2008, bislang erschienen eine EP, eine Demo und drei Full Length-Alben. Das letzte Album Attain Salvation wurde im April dieses Jahres veröffentlicht. Auch Exterminas spielen nicht den Black Metal, den ich am liebsten mag, sondern kommen mit einer sehr coolen Mischung aus Black Metal und Death Metal daher, die ab und zu auch mal in den Thrash Metal abdriftet. Dazu passt auch die eher tiefe Stimme von Februus. Mit der (klassischen) Besetzung zwei Gitarren + Bassgitarre entwickeln Exterminas dabei sehr viel Druck, oder, wie es einer der Besucher nach der Show zu mir sagte, eine “mächtige Wall Of Sound”. Da fliegen nicht nur auf der Bühne die Haare.

Und dann kommen nacheinander die zwei Bands, die ich schon im April auch hier im Helvete erleben durfte. Anheim hätten heute eigentlich als zweite Band spielen sollen, aber die Running Order wurde, warum auch immer, kurz vor Beginn noch einmal umgestellt, also spielen sie jetzt in der “goldenen Mitte”. Aus Würzburg kommt die Band, und so gesprächig, wie sie noch vor der Show waren, gibt’s, wie auch bei den anderen Bands, fast nur die Musik auf die Ohren. Das ist bei Anheim sehr geiler Melodic Black Metal, der sich auch gern mal aggressiv gibt und sich meistens im höheren Tempo bewegt. Dass es die Band erst seit ungefähr zwei Jahren gibt, lässt sich beim Zuschauen nicht erahnen, denn da steht eine kompakte Einheit auf der Bühne. Mitgebracht haben sie nicht nur ihre EP Maere einer alten Zeit aus dem letzten Jahr, sondern auch das aktuelle Album Anihorim, das mit seinen acht Tracks auf ungefähr 46 Minuten Spielzeit kommt. So haben die Jungs also wahrscheinlich bei der Setliste eher die Qual der Wahl, treffen aber mal wieder voll meinen Geschmack. So landet Anihorim dann nach der Show auch in meinem Rucksack.

Die zweite Band, die ich bereits im April erleben durfte, ist Ortus. Die sind schon länger am Start als Anheim, nämlich seit dem Jahr 2013. Nach den EPs Where Shadows Gather aus 2018 und Forgotten Memories aus 2019 haben sie im vergangenen Jahr die EP Aus der Tiefe veröffentlicht. Die ist zwar “nur” mit zwei Tracks ausgestattet, kommt damit aber auf ungefähr 33 Minuten Spielzeit. Die habe ich mir nach der Show dann zugelegt und dabei das handnummerierte Digipack 35/300 ergattert. Ich bin auf die Wertsteigerung gespannt! 😀 Da kann ich mir dann im Booklet auch mal in Ruhe die Textauszüge durchlesen, die mich in ihrer fast schon philosophischen Ausdrucksweise mächtig an die Krefelder Band Krähenfeld erinnern. Fast schon passend dazu ist die Bühne jetzt in blaues Licht getaucht, und die von den Jungs mitgebrachte Nebelmaschine läuft auf Hochtouren. Neben Exterminas ist Ortus heute eine der beiden Bands, bei der der Sänger nicht auch noch ein Instrument spielt. Trotzdem stellt sich Thorlur, ähnlich wie schon Februus bei Exterminas, nicht explizit in den Vordergrund, sondern lässt auch der Saitenfraktion ihren Platz (den Drummer sehe ich leider auch bei Ortus kaum). Dank des wie immer sehr professionell arbeitenden Tontechnikers höre ich auch sehr gut den Klargesang von Leadgitarrist Nihil und Rhythmusgitarrist Namtáar, und so sind auch Ortus nicht nur ein optischer, sondern auch ein akustischer Leckerbissen.

Wie schon Anheim spielen heute auch Lighthouse ohne Drummer. Warum dem so ist, weiß ich nicht, aber eine Record-Releaseshow sagt man natürlich nicht ab. Gegründet wurde die Band im Jahr 2018, damals noch als Trio, und nach der schlicht A Debut bezeichneten Debüt-EP aus 2020 spielten die Jungs ihren ersten Gig tatsächlich erst im August letzten Jahres. Genau heute auf den Tag erschien nun das Album I. Das kommt inklusive Intro, Interlude und Outro auf knapp 37 Minuten Spielzeit, und den Texten, die in dem sehr schick aufgemachten Booklet abgedruckt sind, entnehme ich, dass Lighthouse einen eher düsteren Blick auf das Leben an sich und die Natur werfen. “…Don’t let this coldness be our grave…” heißt es im Chorus von The Lighthouse, und auch die drei Jungs sind auf der Bühne in blaues Licht getaucht. Das kann zwar die mittlerweile saunaartigen Verhältnisse im Helvete, gegen die die auf Hochtouren laufende Lüftungsanlage machtlos ist, auch nicht ändern, setzt das Trio aber perfekt in Szene. Performancetechnisch halten sie sich zurück, so können wir uns zu später Stunde voll und ganz auf die Songs konzentrieren, die auf der Setliste ihren Platz gefunden haben.

Normalerweise lege ich mir ja bei Shows eher Bandshirts zu, aber heute muss es dringend die Musik meiner drei Favoritenbands des Abends sein. Dass man am Merchandise Stand von Teufelszeug Records auch mit Karte bezahlen kann, könnte mich tatsächlich zu einem Kaufrausch verführen. Aber im wahrsten Sinne des Wortes “nüchtern betrachtet” beschränke ich mich dann doch auf die Alben. Mittlerweile ist es irgendwas nach Mitternacht, und nachdem ich jetzt über fünf Stunden lang nur gestanden habe, freue ich mich, als ich mich auf dem Fahrersitz meines Autos niederlassen kann.

Die kompletten Fotostrecken gibt’s wie immer auf https://heike-leppkes-konzertfotos.de

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