Interviewer:
Lesedauer ca. 8 min.

Das Interview mit In December

Interview-Fragen

Künstler:

In December

Genre:

Metal, Metalcore, Alternative Metal

Links des Künstlers
Bandmitglieder

Julian Sieberz (Gesang)
Timo Königs (Gitarre)
Ingo Blau (Gitarre)
Tobias Dick (Bassgitarre und Backgroundgesang)
Andreas Over (Schlagzeug)

Die Band In December haben wir nicht im Dezember, sondern im Januar kennengelernt. Da haben sich die Jungs bei uns gemeldet und ihre EP "Unending" sowie das Video zum Song "Waterfall" vorgestellt. Und da man zu In December nicht wirklich viele Informationen im Netz findet, haben wir sie dann kurzerhand auch zum Interview gebeten.

Als ich gelesen habe, dass es die Band In December schon seit über 20 Jahren gibt, bin ich ja tatsächlich fast vom Stuhl gefallen. War das damals so die klischeehafte Story von ein paar Jungs, die die Musik ihrer großen Vorbilder nachspielen wollten und darum eine Band gegründet haben? 😀

Im Endeffekt war es so 🙂 Wir waren alle auf der gleichen Schule. Tobias und Ingo (damals 15) fingen mit den ersten Jam Sessions an. Über ca. anderthalb Jahre hinweg ist es dann gewachsen bis wir uns alle gefunden hatten. Man kann also sagen, dass wir eine Schulband waren, die aber schon früh wusste, dass sie mehr als nur Coversongs machen und auch nach der Schulzeit weiterhin zusammen rocken will.

Der Bandname resultiert aus dem Monat, in dem ihr euch gegründet habt. Aber da kommt man ja trotzdem nicht mal einfach so drauf. Wie lief das denn bei der Namensfindung ab?

Gottseidank muss man so etwas nur einmal im Leben einer Band machen 😀 Als klar war, dass wir in der Besetzung Musik machen und Gigs spielen wollten musste ein Name her. Ich weiß nicht mehr, ob Zeitdruck eine Rolle gespielt hat, aber es kam einfach nichts Richtiges raus – wer soll auch auf sowas wie “Korn” kommen… Blieb also der Notnagel mit dem Monat in verschiedenen Variationen: “December”, “In December”, “Ill December”, usw. Wir waren kurze Zeit sehr von “Ill December” angetan, bis der Kommentar einer Mutter uns da schnell wieder von weggebracht hat: “Ill December!? Ihr seid doch nicht krank!?”. So ist es In December geworden, und wir sind auch nach zwanzig Jahren sehr zufrieden damit! Darüber hinaus passt der Name gut ins musikalische Genre.

Wenn man euch nicht von Anfang an verfolgt hat, ist es sehr schwierig, überhaupt Infos zur Band und zu den Bandmitgliedern zu finden. Darum konnte ich auch nicht herausfinden, ob’s schon Wechsel in der Bandbesetzung gab. Haltet ihr das bewusst so und lasst lieber die Musik sprechen?

Wir sind immer noch in der ursprünglichen Besetzung unterwegs. Da sind wir auch recht stolz drauf. Die Zusammensetzung macht letztendlich den Sound von In December aus. Alle reden mit. In December wird es wahrscheinlich ausschließlich in dieser Besetzung geben. Mit diesem Mindset im Hinterkopf ist uns tatsächlich nie der Gedanke gekommen, dass man die Band In December losgelöst von den Bandmitgliedern sehen könnte. Wir haben uns bewusst zu dieser Formation committed.

Es gibt aber auch eine einfache Antwort auf diese Frage: Es liegen über 10 Jahre zwischen der aktuellen und der letzten EP. Neben ein paar Gigs gab es einfach nichts Nennenswertes zu berichten.

Nach eurem Post aus 2018 war auf Facebook erstmal Funkstille. Da gab’s wahrscheinlich andere Prioritäten. Wie kam es denn dann im Jahr 2021 zur “Reunion”, und das vor allem mitten in der Pandemie?

Generell war das letzte Jahrzehnt von vielen Veränderungen geprägt. Man lebt eben. Wir sind keine Berufsmusiker. So hat jeder seinen eigenen Berufsweg eingeschlagen. Es wurden Familien gegründet, Wohnorte und Jobs gewechselt. Aktuell sind wir von Mainz bis Essen verstreut. Das war zwischenzeitlich sogar noch schlimmer. Auch wenn es still um uns war, stand eine Auflösung nie zur Debatte. Wir wussten, wir wollen wieder was machen. Der letzte 2018 Post entstand dann tatsächlich bei einem gemeinsamen Treffen, das den Grundstein zu den Aufnahmen der neuen EP gelegt hat. Wir haben uns zusammengesetzt und unterhalten. Was stellt sich jeder Einzelne zur Zukunft von In December vor? Alle hatten Bock, eine neue Platte aufzunehmen. Wir hatten dabei auch unser Jubiläum als späteste Deadline im Blick. Es war uns klar, dass das seine Zeit dauern wird. Die Pandemie war in diesem Zusammenhang der Tritt in den Allerwertesten, der uns dann richtig hat loslegen lassen. Timo und Ingo hatten im Laufe von 2020 losgelöst von In December schon viel mit Recording und Mixing gemacht und dabei gelernt. Im Dezember 2020 haben wir dann gemeinsam entschieden, dass wir auf ein Studio verzichten und alles selbst aufnehmen und mixen. Da ist die Technik, die einem heute zur Verfügung steht, wirklich ein Segen. Wir haben uns auf die Songs geeinigt und dann Januar 2021 direkt losgelegt. Das Jubiläum als Deadline hat sein Übriges dazu getan.

Wenn man sich euer Profil auf Backstagepro anschaut, steht da unter “Ähnliche Bands” unter anderem “Band getaggt mit…” Bullet For My Valentine. Lustigerweise habt ihr zu einem Foto aus dem Videodreh auch geschrieben “Scream, set, fire!”, was mich an den Titel meines Lieblingsalbums von BfmV erinnert. Die Waliser sind in vielen eurer Songs auch ziemlich präsent. Ist das so eure größte Inspirationsquelle?

BFMV ist definitiv eine Band, die Einfluss auf unsere Musik gehabt hat. Da geht es vor allem um die “Tears don’t fall” Zeit. Lustigerweise hat unser Produzent bei den Aufnahmen zur 2009 EP auch noch so flapsig daher gesagt, dass wir die deutsche Antwort auf BFMV sind. Als größte Inspirationsquelle würde ich sie dagegen nicht direkt sehen. Da würden andere sehr wichtige Bands zu kurz kommen. Unsere Einflüsse sind sehr breit gestreut, aber neben BFMV sind zumindest instrumental vor allem auch In Flames und Killswitch Engage zu nennen.

Apropos “Videodreh”: Ihr habt zum Song Waterfall ein Video gedreht. Warum habt ihr genau zu diesem Song ein Video gedreht? Und wie lief der Videodreh?

Wir wollten einen Song nehmen, der uns und die EP so gut wie möglich repräsentiert. Wenn man In December das erste Mal hört/sieht, dann soll der Song einen sofort fesseln. Waterfall ist so abwechslungsreich geworden, dass der Song verschiedenste Geschmäcker bedient. Leute, die auf melodische Parts und Harmonien stehen, aber auch Metalcore Fans, die sich auf den nächsten Breakdown und schnelle Riffs freuen. Ein perfektes Abbild der Unending EP.
Der Dreh war über zwei Tage verteilt. Bandperformance in einem alten, heruntergekommenen Supermarkt und Story in einem Schloss. Die Locations befinden sich beide in unserem Gründungsort, das hat uns während des Drehs auch nochmal das richtige Nostalgie-Feeling erleben lassen. Darum geht es ja auch so ein bisschen im Song und im Video. Gedreht und produziert hat das Video Peter Leukhardt und dabei richtig gute Arbeit gemacht. Die zwei Tage waren ziemlich anstrengend, da alles angeschleppt und aufgebaut werden musste. Die eigentlichen Drehsequenzen waren dann verhältnismäßig kurz. Alles in allem hat es aber super Spaß gemacht und sich definitiv gelohnt!

Auf Facebook habt ihr zu allen Songs von Unending die Texte veröffentlicht. Wie sieht denn das Songwriting bei euch aus? Eher so spontan beim gemeinsamen Jammen im Proberaum? Erst der Text und dann die Musik?

Das Songwriting läuft bei uns meistens so ab, dass einer der Gitarristen oder unser Bassist ein neues Riff oder grobe Idee für einen Song mit in die Jam Session bringt. Dann werden zusammen die Details oder Veränderungen ausgearbeitet. Der Gesang, der Songtitel und die Texte kommen bei uns in der Regel erst zum Schluss. 99% der Lyrics schreibt Julian, unser Sänger. Wir haben uns eigentlich direkt zu Beginn unserer Bandgeschichte geeinigt, dass wir unsere Texte auf Englisch schreiben wollen. Das war einfach die Sprache unserer Vorbilder und der Musikgenres im Metal, die uns inspiriert haben. Julian improvisiert beim Finden der Gesangslinie oft kurze Lyric Fetzen, bei denen dann später oft einzelne Wörter oder kurze Sätze oder aber manchmal einfach auch das generelle Feeling des Songs ein Thema oder einen Songtitel vorgeben. In diesem Rahmen entsteht dann ein finaler Songtext.

Und sind die anderen Aufgaben innerhalb der Band auch verteilt (also Booking, Social Media usw.)?

Die meisten Aufgaben haben wir innerhalb der Band je nach Erfahrung und Interesse verteilt, besonders jetzt bei der aktuellen EP und beim Videodreh. Das war organisatorisch und vom Arbeitsaufwand her bislang eine unserer größten Herausforderungen. Aber generell haben wir bei uns die Devise, dass wir unsere Entscheidungen immer demokratisch abstimmen. Da wir 5 Mitglieder in der Band sind, gibt es so immer ein eindeutiges Ergebnis. Das ist dann manchmal etwas langwierig und nervenaufreibend, aber so ist eigentlich immer jeder beim Entscheidungsfindungsprozess involviert und direkt am Ergebnis beteiligt.

Ihr habt irgendwann mal sinngemäß auf Facebook geschrieben, der EP-Titel Unending würde auch irgendwie für eure Geschichte bzw. eure zukünftigen Pläne stehen. Plant ihr also, auch längerfristig mit In December weiterzumachen?

Wir sehen uns auch noch in zwanzig Jahren beim Musik machen. Im Optimalfall auch mit In December. Unsere unterschiedlichen Lebenssituationen machen regelmäßiges touren nicht möglich. Aber ein Gig hier und da ist auf jeden Fall drin und steigert bei uns immer wieder die Motivation und die Leidenschaft weiterzumachen. Was definitiv weitergehen soll, ist das regelmäßige Schreiben und recorden neuer Songs. Im Optimalfall vergehen bis zum nächsten Release dann nicht wieder 10 Jahre.

Aktuell werden ja viele Shows verschoben bzw. abgesagt. Von euch gab’s dazu noch keine Info, aber ihr plant doch sicherlich für Unending zumindest so eine Art Releaseshow, oder?

Eine Releaseshow wäre schon was Feines. Mal schauen, ob Mitte des Jahres etwas daraus wird. Wenn es wieder wärmer wird und man vielleicht sogar was Open Air machen kann.

Eine Zeitlang sind sehr viele Bands auf livestreams umgestiegen, um zumindest ansatzweise irgendwas in Richtung Konzert zu bieten. Wäre das für euch eine Option, wenn “echte” Shows auch weiterhin nicht oder nur mit sehr vielen Einschränkungen möglich sind?

Livestreams sind wahrscheinlich nichts für uns. Uns ist aber bewusst, dass heute neben dem normalen Tonformat auch das Visuelle eine wichtige Rolle spielt, um in den Köpfen der Hörer zu bleiben. Das professionelle Video zu Waterfall war ein Anfang. Wir arbeiten gerade daran, dass noch mehr visuelles Material folgt.

Apropos Liveshows: Gibt es eine, an die ihr euch besonders gern erinnert? Oder vielleicht auch eine, bei der irgendwas schiefgelaufen ist?

Man kann sagen, dass 2009 der Peak unseres Bekanntheitsgrades war. In dem Jahr durften wir auch auf der vorletzten Rheinkultur spielen. Unser “With hearts on fire” Video fängt die Kulisse und Stimmung ganz gut ein. Es war etwas sehr besonderes, dort auf so einer Bühne bei bestem Wetter vor diesen vielen Menschen spielen zu dürfen. Es gab aber auch viele kleinere Gigs, die richtig Spaß gemacht haben.
Auf vielen Konzerten ist auch etwas schiefgelaufen. Der Standard ist natürlich die gerissene Saite auf den Gigs, auf denen keine Ersatzgitarre am Start ist. Wir haben auch eine Zeit lang mit Backing Tracks auf Click gespielt. Auf einem der ersten Konzerte haben wir die Verkabelung so versemmelt, dass der Click ins Publikum und die Backing Tracks ins Monitoring gingen. Da war die Verwirrung komplett. Nach wenigen Sekunden im ersten Song des Sets haben wir dann die ganze Elektronik wieder abgeschaltet und den Rest des Sets ohne gespielt. Die ganze akribische Vorarbeit war quasi für die Tonne.

Und dann spinnen wir mal ein wenig rum: Die Pandemie ist vorbei, und ihr dürft ein eintägiges Festival organisieren. Fünf Slots sind zu vergeben, und Geld spielt keine Rolle. Wen holt ihr ran?

Killswitch Engage (Evergreen im Einfluss auf In December)
Foo Fighters (Diese Live Shows sind immer der Knaller, jeder Song ein Hit)
Paramore (das female-fronted Powerhouse darf nicht fehlen)
The Intersphere (support your local favorites -> höchstes Niveau von um die Ecke)
Sleep Token (mal was Moderneres)

Mir gehen langsam die Fragen aus, darum drehe ich den Spieß mal um: Habt ihr Fragen an das SYLB-Team? Oder wollt ihr uns einfach was sagen?

Es gibt unfassbar viele großartige Bands, die eine Plattform verdient haben. Vielen Dank, dass ihr solche Bands mit Eurem Format so hervorragend unterstützt. Wenn man mal genug von Altbekanntem hat, schaut man kurz bei Euch und findet Musik, die sonst ungesehen an einem vorbeizieht.

Gibt es noch eine Frage, mit der ihr gerechnet habt, die wir aber nicht gestellt haben? Dann dürft ihr die jetzt selbst stellen und auch gleich selbst beantworten.

Oft kommt die Frage, wie wir selber unsere Musik beschreiben würden, oder in welche Schublade der Metal Genres wir uns einsortieren würden und warum. Uns ist und war immer bewusst, dass unsere Musik da nicht ganz so klar zu kategorisieren ist. Vielleicht hätte es uns in der Bewerbung unserer Musik oder bei der ein oder anderen Gelegenheit in der Vergangenheit geholfen, wenn wir klarer in eine musikalische Kerbe geschlagen hätten. Aber für uns war immer wichtig, dass wir alle unsere verschiedenen musikalischen Einflüsse und Vorstellungen zusammenbringen wollen, Melodie genauso wie Härte, Modernes und Old-Schooliges kombinieren, um einen Style zu machen, der uns einfach komplett selber gefällt. Wir glauben, in dieser Hinsicht hat sich in den letzten 10-15 Jahren auch weiter viel getan in der Metal Welt. Heute gibt es viele interessante Nu-Metal oder Alternative Bands die extrem kreativ sind und Stile zusammenbringen, wie es das vorher so noch nicht gegeben hat und die auch ihre Hörer gefunden haben.

Möchtet ihr euren Fans, und allen, die noch Fans werden sollen, noch etwas sagen? 

Es ist verrückt, dass Leute nach 10 Jahren “Funkstille” wieder auf uns zukommen und uns sagen, wie froh sie sind, dass es endlich wieder eine In December Platte gibt. Für solches Feedback sind wir super dankbar. Wir wissen, dass wir keine highflying Rockstars mehr werden und sind auch gar nicht böse drum. Trotzdem wird die Musik immer einen großen Anteil an unserem Leben haben. Wir machen uns selbst eine Freude, wenn wir jammen und neue Songs aufnehmen. Genauso, wie die neue EP ein Geburtstagsgeschenk speziell an uns selbst war. Dass es dann Menschen gibt, denen wir mit unserer Musik auch Freude bereiten, ist ein zusätzlicher Bonus, der uns sehr stolz macht. Wir werden vielleicht keine großen Touren mehr spielen, aber wir werden immer am Ball bleiben und versuchen, mehr Musik zu schaffen, um uns und euch eine Freude zu bereiten.

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