In den mittlerweile knapp zehn Jahren, die ich in der Undergroundszene des Ruhrgebietes unterwegs bin, habe ich schon einige Bands kommen und gehen sehen. Wenn Bands dann gehen, rechne ich aber eigentlich immer damit, zumindest einen Teil der Mitglieder in irgendwelchen anderen Bands wiederzusehen. So ging es mir auch mit Crudefang. Nils und Andi habe ich nämlich schon bei diversen, sehr geilen Shows ihrer vorherigen Band Ladder In The Tights erlebt, die leider im März 2022 das Ende verkündet hatte. Kurz danach kam dann aber schon die Info, dass die beiden jetzt als Crudefang weitermachen. Als ich sie dann vor kurzem in Bochum zum ersten Mal unter dem Namen sah, waren sie noch zu dritt, Drummer Ivan hat zwischenzeitlich allerdings die Band verlassen.
Nicht nur namenstechnisch sind Nils und Andi neu unterwegs, auch das Genre ist ein anderes. Waren Ladder In The Tights noch im (Post) Metalcore unterwegs, frönen die beiden jetzt voll und ganz dem Grunge, dem sie aber auch noch ein paar eigene Ideen verpassen und sich dabei vor allem gern im Punk bedienen. Das kann man sich auf den beiden bislang schon veröffentlichten EPs Institutionalized Cultivated Space Monkeys und Dummies anhören, und natürlich auch auf der Mitte Juli veröffentlichten dritten EP Creatures. Die kommt mit ihren fünf Songs auf ungefähr 18 Minuten Spielzeit.
Da sich Grunge-Songs nach wie vor nur sehr vereinzelt in meinen Playlisten finden und ich mich mit dem Genre auch nicht weiter beschäftige, kann ich Vergleiche zu irgendwelchen Bands nicht wirklich anstellen. Ich bin allerdings fast schon überrascht, wie geschickt Crudefang das Album aufbauen und wie abwechslungsreich sie sich auf Creatures präsentieren. Denke ich beim Opener Tokyo eher an Bands wie Alice In Chains oder Soundgarden legen Crudefang schon gleich bei Creature ein ordentliches Schüppchen drauf. In Minimalbesetzung mit Gitarre und Bass stehen diese beiden Saiteninstrumente sich auch oft in nichts nach und scheinen sich um die coolsten Riffs zu batteln. Dafür gibt’s insbesondere in den instrumentalen Parts immer mal wieder die eine oder andere Gelegenheit. Und hatte ich weiter oben noch den Punk erwähnt, findet der (nicht nur) in Dive und Smile seinen Weg an die Oberfläche des musikalischen Meeres, auf dem Crudefang mit Creatures umherschippern.
Es ist tatsächlich schon knapp vier Jahre her, dass ich Mortal Hatred zum letzten Mal live erlebt habe. Im Juli 2018 spielten sie in Dinslaken eine ihrer energiegeladenen Shows, und ich habe wieder mal nur staunend vor der Bühne gestanden, und die Flitzefinger an den Saiteninstrumenten und Kai an den Drums bewundert. Die haben mit ihren coolen Riffings und Kai mit Blastbeats und Doublebase die Songs vorangetrieben und auch Freddy irgendwann den Schweiß nicht nur auf die Stirn getrieben.